Deutschland seit 1945
Bundestagswahlen
Wahlsystem bei Bundestagswahlen



Das Wahlrecht zum Bundestag wurde seit 1949 mehrmals geändert. Die folgende Darstellung bezieht sich ausführlich auf die Regeln zur Mandatszuteilung, wie sie zur Bundestagswahl 2013 galten. Die früheren Regelungen werden am Ende dieser Darstellung kurz im Zeitverlauf zusammengefasst.

Grundsatz: Mischwahlsystem mit Verrechnung von Direktmandaten auf Listenmandate

In der Bundesrepublik gilt ein Mischwahlsystem, d.h. Elemente der Verhältniswahl und Elemente der Mehrheitswahl werden miteinander kombiniert. Jeder Wähler hat dafür zwei Stimmen: Erststimme und Zweitstimme.

Mit der Erststimme werden einzelne Kandidaten in jedem der 299 Wahlkreise gewählt. Der Kandidat mit den meisten Stimmen erhält das Bundestagsmandat für diesen Wahlkreis als sog. Direktmandat. Diese Direktwahl einzelner Personen durch die Wähler ist die Mehrheitswahl-Komponente im deutschen Mischwahlsystem. Mehr gibt es zur Erststimme hier nicht zu sagen. Der Einfachheit halber sind deshalb im Folgenden mit dem Wort „Stimmen“ immer die Zweitstimmen gemeint.

Mit der Zweitstimme werden Landeslisten der Parteien in jedem der 16 Bundesländer gewählt. Die Wähler können nur eine Landesliste wählen, aber nicht einzelne Personen auf der Liste. Das wird „starre Listenwahl“ genannt. Nach der Wahl werden mindestens 598 Mandate auf diejenigen Parteien verteilt, die entweder mindestens fünf Prozent der gültigen Zweitstimmen oder mindestens drei Direktmandate erzielt haben. Erstere Voraussetzung wird „Fünf-Prozent-Hürde“ und letztere Voraussetzung wird „Grundmandatsklausel“ genannt. Die Parteien, die mindestens eine dieser Voraussetzungen erfüllen, werden hier „Bundestagsparteien“ genannt. Trotzdem können solche Abgeordnete natürlich Parteimitglied sein. Zum Beispiel erzielten bei der Wahl 2002 zwei Kandidatinnen der damaligen PDS Direktmandate in zwei Berliner Wahlkreisen. Da die PDS jedoch an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und auch die Grundmandatsklausel um ein Direktmandat verfehlte, nahm die PDS nicht an der Zuteilung der Mandate teil und war entsprechend keine Bundestagspartei im Sinne der Darstellungen hier. Jede Bundestagspartei erhält so viele der zu vergebenden Mandate, wie es ihrem Stimmenanteil an den Stimmen aller Bundestagsparteien entspricht. Entsprechend gehören Abgeordnete, die über ein Direktmandat in den Bundestag einziehen, die aber parteilos sind oder deren Partei keine dieser Voraussetzungen erfüllt, nicht zu einer „Bundestagspartei“ im Sinne der folgenden Erläuterungen. Die Verteilung von Mandaten auf die Bundestagsparteien nach ihrem bundesweiten Stimmenanteil ist die sog. Oberverteilung. Mit ihr kommt die Verhältniswahl-Komponente des Wahlsystems zum Ausdruck.

Anschließend werden die Mandate jeder Bundestagspartei auf die Länder verteilt. Dafür werden jeder Bundestagspartei in jedem Bundesland so viele Mandate zugeteilt, wie es dem Stimmenanteil dieser Partei im Land an allen Stimmer der Partei bundesweit entspricht. Von den jeder Partei zugeteilten Mandaten werden die Direktmandate abgezogen, die Kandidaten dieser Partei im jeweiligen Bundesland erzielt haben. Die übrigen Mandate werden als Listenmandate in der Reihenfolge an die Bewerber vergeben, in der sie auf der jeweiligen Landesliste erscheinen. Das ist die sog. Unterverteilung.

Für die Zuteilung der Mandate wird das Verfahren Sainte Laguë-Schepers verwendet. Dieses Verfahren ermöglicht eine proportionale Mandatsverteilung durch die Bildung von Divisoren.

Abweichungen vom Grundsatz: Überhang- und Ausgleichsmandate, Entfallen von Listenmandaten

Überhang- und Ausgleichsmandate

Erststimme und Zweitstimme werden bei der Mandatszuteilung getrennt gezählt. Dadurch können Parteien in den einzelnen Bundesländern mehr Direktmandate erzielt haben, als ihnen laut Zweitstimmenergebnis bundesweit zustehen. Diese überzähligen Mandate sind die Überhangmandate aus Direktmandaten („Direkt-Überhangmandate“).

Außerdem kann es durch die Prozedur der Mandatszuteilung dazu kommen, dass Parteien weitere Überhangmandate erzielen („Listen-Überhangmandate“, siehe dazu und zur Prozedur unten).

Falls durch Direkt- oder Listenüberhangmandate die Mandatsanzahl der Bundestagsparteien im Vergleich zueinander nicht dem Verhältnis ihrer Stimmenzahlen entspricht, erhalten die einzelnen Bundestagsparteien jeweils so viele zusätzliche Mandate, bis das Verhältnis ihrer Mandate dem Verhältnis ihrer Stimmenzahlen entspricht. Diese zusätzlichen Mandate sind die Ausgleichsmandate. Durch die Überhang- und die Ausgleichsmandate erhöht sich die gesamte Mandatszahl über 598 hinaus. Das geschieht in der Oberverteilung.

Anschließend werden die Mandate in der Unterverteilung auf die Landeslisten der Bundestagsparteien verteilt. Allerdings wird die Unterverteilung für Parteien mit Direkt-Überhangmandaten so angepasst, dass alle Direktmandate und damit auch die Direkt-Überhangmandate erhalten bleiben. Dafür wird die Zahl der für so eine Partei insgesamt verfügbaren Listenmandate so lange nach unten korrigiert, bis alle Direktmandate vergeben worden sind. Durch diese Prozedur der Mandatszuteilung ist es sichergestellt, dass eine Partei nie mehr Direktmandate erzielt, als ihr nach der Oberverteilung zustehen. Sie verliert deshalb im Zuge der Mandatszuteilung nie ein Direktmandat, das sie in der Wahl gewonnen hat.

Listen-Überhangmandate können durch die Korrektur der Listenmandatszahl nach unten dagegen bei der Unterverteilung und damit für die endgültige Mandatszuteilung wieder entfallen. Es kann dadurch sein, dass eine Partei nur Direktmandate und keine Listenmandate erhält, obwohl ihr ohne Überhangmandate Listenmandate zugestanden hätten. Ebenso ist es möglich, dass eine Partei zwar Listenmandate erzielt, dass diese Mandate bei der Unterverteilung aber für andere Landeslisten anfallen als dort, wo sie Listen-Überhangmandate erzielte.

Entfallen von Listenmandaten

Wenn Kandidaten, die parteilos sind oder deren Partei nicht an der Mandatszuteilung teilnimmt, Direktmandate erzielen, werden diese Direktmandate von der Zahl der mindestens zu verteilenden 598 Mandate abgezogen. Da Direktmandate in der Unterverteilung immer zugeteilt werden, wirkt sich auch das als Reduzierung der Listenmandate aus. Falls es außerdem zusätzliche Mandate gibt (s.o.) erhöht sich die Zahl der Listenmandate jedoch wieder.

Ebenso wird die Zahl der Listenmandate für eine Partei reduziert, wenn sie Direkt-Überhandmandate erzielt hat und nicht ausreichend Ausgleichs- oder Listen-Überhangmandate auf sie entfallen sind.

Prozedur der Mandatszuteilung

Die Mandatszuteilung wird in zwei Stufen vorgenommen. In der Ersten Stufe wird die minimale Anzahl der Mandate für jede Partei ermittelt. Das ist die „Mindestsitzzahl“. In der Zweiten Stufe wird auf Grundlage der Mindestsitzzahlen die endgültige Mandatsverteilung für die Parteien bundesweit (Oberverteilung) und in den Bundesländern (Unterverteilung) vorgenommen.

Jede der zwei Stufen besteht wiederum aus zwei Schritten. Bei jedem Schritt werden Mandate zugeteilt.

Erste Stufe, erster Schritt: Kontingentierung nach Bevölkerungszahl der Länder

In der Ersten Stufe werden im ersten Schritt noch vor der Wahl insgesamt 598 Mandate auf die 16 Bundesländer verteilt. Das Kriterium für diese Verteilung ist der Anteil der deutschen Bevölkerung jedes Bundeslands laut der jeweils letzten amtlichen Bevölkerungszahlen. Bei der Wahl 2013 wurden dafür die fortgeschriebenen Angaben zum Stand 31.12.2012 der Volkszählung von 1987 (Alte Bundesländer) und des zentralen Einwohnermelderegisters der DDR vom Stand 1990 (Neue Bundesländer) verwendet.

Daraus ergaben sich für die Bundestagswahl 2013 die Mandatskontingente, wie sie in Tabelle 1 dargestellt sind.

Tabelle 1: Mandatskontingente der Länder nach dem ersten Schritt der Ersten Verteilungsstufe bei der Bundestagswahl 2013 (Divisor: 124050)
Bundesland Bevölkerung Mandatskontingent
SH 2686085 22
MV 1585032 13
HH 1559655 13
NI 7354892 59
HB 575805 5
BB 2418267 19
ST 2247673 18
BE 3025288 24
NW 15895182 128
SN 4005278 32
HE 5388350 43
TH 2154202 17
RP 3672888 30
BY 11353264 92
BW 9482902 76
SL 919402 7
Bund 74324165 598

Erste Stufe, zweiter Schritt: Ermittlung der Mindestsitzzahlen für die Parteien

Im zweiten Schritt der ersten Stufe erhalten die Bundestagsparteien von jedem der 16 Mandatskontingente so viele Mandate, wie es ihrem Stimmenanteil bei der Wahl bezogen auf die Stimmen aller Bundestagsparteien im jeweiligen Bundesland entspricht. Das ist in Tabelle 2 dargestellt. Dort sind auch die Divisoren eingetragen, die den jeweiligen Mandatsverteilungen zugrunde liegen.

Erzielt eine Partei im Bundesland mehr Direktmandate als ihren Mandaten laut diesem Stimmenanteil entspricht, dann erhält sie dort stattdessen so viele Mandate wie sie Direktmandate erzielte. Die Differenz zwischen der Anzahl dieser Direktmandate und der Anzahl der ihr laut Stimmenverhältnis zustehenden Mandate sind die Direkt-Überhangmandate.

In Tabelle 2 ist die Anzahl dieser Überhangmandate in den Ländern einzeln ausgewiesen. Zum Beispiel erzielte die CDU in Brandenburg neun Direktmandate. Laut Mandatsverteilung für das Brandenburger Kontingent (20 Mandate) standen ihr aber nur acht Mandate zu und es ergab sich ein Direkt-Überhangmandat. Insgesamt erhielt sie in Brandenburg also 8 (Mandate aus dem Kontingent) + 1 (Direkt-Überhangmandat) = 9 Mandate. Auf diese Weise kam es 2013 innerhalb der Bundesländer zu einigen Abweichungen zwischen Stimmenanteil und Mandatsanteil.

Tabelle 2: Mandatsverteilung nach dem zweiten Schritt der Ersten Verteilungsstufe bei der Bundestagswahl 2013 nach Ländern und Parteien
Bundesland CDU SPD Linke. Bündnis 90/Die Grünen CSU Insgesamt
  Stimmen Mandate Stimmen Mandate Stimmen Mandate Stimmen Mandate Stimmen Mandate Stimmen Divisor Kontingent
SH 638756 10 513725 8 84177 1 153137 3 - - 1389795 61000 22
MV 369048 6 154431 3 186871 3 37716 1 - - 748066 60000 13
HH 285927 5 288902 5 78296 1 112826 2 - - 765951 60000 13
NI 1825592 28 1470005 22 223935 3 391901 6 - - 3911433 66000 59
HB 96459 1 117204 2 33284 1 40014 1 - - 286961 65000 5
BB 482601 8 + 1 321174 5 311312 5 65182 1 - - 1180269 60000 20
ST 485781 8 + 1 214731 4 282319 5 46858 1 - - 1029689 60000 19
BE 508643 8 439387 7 330507 5 220737 4 - - 1499274 62000 24
NW 3776563 59 3028282 48 582925 9 760642 12 - - 8148412 63500 128
SN 994601 16 340819 6 467045 8 113916 2 - - 1916381 61000 32
HE 1232994 20 906906 15 188654 3 313135 5 - - 2641689 62000 43
TH 477283 8 + 1 198714 3 288615 5 60511 1 - - 1025123 60000 18
RP 958655 15 608910 10 120338 2 169372 3 - - 1857275 62000 30
BY - - 1314009 23 248920 4 552818 9 3243569 56 5359316 58200 92
BW 2576606 43 1160424 19 272456 4 623294 10 - - 4632780 60600 76
SL 212368 3 + 1 174592 3 56045 1 31998 0 - - 475003 65000 8
Bund 14921877 242 11252215 183 3755699 60 3694057 61 3243569 56 36867417 - 602

Außerdem ist es durch die Bildung von Mandatskontingenten im ersten Schritt entlang der Bevölkerungsanteile möglich, dass der Anteil des Mandatskontingents eines Bundeslands nicht mit dem Anteil dieses Bundeslands an den bundesweit erzielten Stimmen der Bundestagsparteien übereinstimmt.

Dafür gibt es vier Ursachen. Erstens ist aufgrund von Unterschieden in der Altersstruktur von Land zu Land ein unterschiedlicher Anteil der deutschen Bevölkerung wahlberechtigt. Die anderen drei Ursachen liegen am regional erfahrungsgemäß recht unterschiedlichen Wahlverhalten in Deutschland. So nimmt, zweitens, von Land zu Land ein unterschiedlich hoher Anteil der Wahlberechtigten überhaupt an Wahlen teil. Drittens gibt es Unterschiede in den Anteilen der gültigen Stimmen an allen jeweils abgegebenen Stimmen. Und schließlich entfallen, viertens, je nach Land unterschiedlich große Stimmenanteile auf die Bundestagsparteien.

Diese Unterschiede sind in absoluten Zahlen und als prozentuale Abweichung von der jeweiligen Bevölkerung in Tabelle 3 dargestellt.

Tabelle 3: Bevölkerung, Wahlberechtigte, abgegebene Stimmen, gültige Stimmen und Stimmen für die Bundestagsparteien in absoluten Zahlen und als Anteil der Bevölkerung bei der Wahl 2013
Bundesland Bevölkerung Wahlberechtigte Abgegebene Stimmen Gültige Stimmen Bundestagsparteien
  Anzahl Anzahl % Bev. % Abw. Anzahl % Bev. % Abw. Anzahl % Bev. % Abw. Stimmen % Bev. % Abw.
SH 2686085 2251796 83,8 0,5 1645750 61,3 1,7 1628290 60,6 1,8 1389795 51,7 2,1
MV 1585032 1350705 85,2 1,9 881718 55,6 -4,0 867743 54,7 -4,1 748066 47,2 -2,4
HH 1559655 1281918 82,2 -1,1 901213 57,8 -1,8 890829 57,1 -1,7 765951 49,1 -0,5
NI 7354892 6117473 83,2 -0,1 4491281 61,1 1,5 4445260 60,4 1,6 3911433 53,2 3,6
HB 575805 483823 84,0 0,7 333022 57,8 -1,8 329412 57,2 -1,6 286961 49,8 0,2
BB 2418267 2065944 85,4 2,1 1412785 58,4 -1,2 1388362 57,4 -1,4 1180269 48,8 -0,8
ST 2247673 1930880 85,9 2,6 1198248 53,3 -6,3 1178815 52,4 -6,4 1029689 45,8 -3,8
BE 3025288 2505718 82,8 -0,5 1815415 60,0 0,4 1787721 59,1 0,3 1499274 49,6 0,0
NW 15895182 13253554 83,4 0,1 9605247 60,4 0,8 9498157 59,8 1,0 8148412 51,3 1,7
SN 4005278 3406430 85,0 1,7 2368758 59,1 -0,5 2332652 58,2 -0,6 1916381 47,8 -1,8
HE 5388350 4413271 81,9 -1,4 3230483 60,0 0,4 3148091 58,4 -0,4 2641689 49,0 -0,6
TH 2154202 1834259 85,1 1,8 1251403 58,1 -1,5 1231693 57,2 -1,6 1025123 47,6 -2,0
RP 3672888 3092424 84,2 0,9 2251979 61,3 1,7 2214497 60,3 1,5 1857275 50,6 1,0
BY 11353264 9472738 83,4 0,1 6633726 58,4 -1,2 6580755 58,0 -0,8 5359316 47,2 -2,4
BW 9482902 7689895 81,1 -2,2 5711469 60,2 0,6 5642019 59,5 0,7 4632780 48,9 -0,7
SL 919402 796072 86,6 3,3 577428 62,8 3,2 562560 61,2 2,4 475003 51,7 2,1
Bund 74324165 61946900 83,3 - 44309925 59,6 - 43726856 58,8 - 36867417 49,6 -

Je nach Ursache gibt es verschieden starke Abweichungen zwischen den einzelnen Bundesländern vom Bundesdurchschnitt. Zum Beispiel lag Mecklenburg-Vorpommern 2013 beim Anteil der Wahlberechtigten an der Bevölkerung über dem Bundesdurchschnitt, bei dem Anteil der abgegebenen Stimmen an der Bevölkerung aber darunter. Beim Anteil der gültigen Stimmen wird diese Abweichung für dieses Land noch etwas nach unten verstärkt und beim Anteil der Stimmen für Bundestagsparteien wieder reduziert. Mit Blick auf den für die Mandatszuteilung nach Kontingenten entscheidenden Punkt – den Anteil der Bundestagsparteien an der Bevölkerung – traf nur Berlin genau den Bundesdurchschnitt. Alle anderen Länder lagen zwischen 3,6 Prozent darüber (Niedersachsen) und 3,8 Prozent darunter (Sachsen-Anhalt).

Diese Abweichungen vom Bundesdurchschnitt führten wiederum zu Abweichungen bei den Umfängen der realen Mandatskontingente aus dem ersten Schritt vom jeweils „idealen“ Umfang der Kontingente mit Blick auf die Stimmen der Bundestagsparteien in den Ländern für den zweiten Schritt.

Das Ausmaß dieser Abweichungen hängt einerseits von den genannten vier Ursachen vor Ort ab. Andererseits spielen die verschieden großen Bevölkerungsanteile der Bundesländer eine Rolle. Zum Beispiel wirkten sich die gleich hohen Abweichungen der Stimmenanteile für die Bundestagsparteien an der Bevölkerung vom Bundesdurschnitt in Mecklenburg-Vorpommern und in Bayern verschieden stark auf die Abweichungen der realen Mandatskontingente von den idealen Mandatskontingenten aus. In Mecklenburg-Vorpommern war das reale Kontingent nur um ein Mandat höher, während es in Bayern um fünf Mandate höher lag. Diese Abweichungen der realen von den idealen Mandatskontingenten sind in Tabelle 4 dargestellt.

Tabelle 4: Anteile der Länder an Bevölkerung, Wahlberechtigte, abgegebenen Stimmen, gültigen Stimmen und Stimmen für die Bundestagsparteien sowie reale und ideale Mandatskontingente bei der Wahl 2013
  Bevölkerung Berechtigt Abgegeben Gültig Bundestags-Parteien     Kontingente    
          real ideal Abweichung
            Anteil Mandate Anteil Mandate Anteil Mandate
SH 3,6 3,6 3,7 3,7 3,8 3,7 22 3,8 23 -0,1 -1
MV 2,1 2,2 2,0 2,0 2,0 2,2 13 2,0 12 0,2 1
HH 2,1 2,1 2,0 2,0 2,1 2,2 13 2,1 12 0,1 1
NI 9,9 9,9 10,1 10,2 10,6 9,9 59 10,6 63 -0,7 -4
HB 0,8 0,8 0,8 0,8 0,8 0,8 5 0,8 5 0,0 0
BB 3,3 3,3 3,2 3,2 3,2 3,2 19 3,2 19 0,0 0
ST 3,0 3,1 2,7 2,7 2,8 3,0 18 2,8 17 0,2 1
BE 4,1 4,0 4,1 4,1 4,1 4,0 24 4,1 24 -0,1 0
NW 21,4 21,4 21,7 21,7 22,1 21,4 128 22,1 132 -0,7 -4
SN 5,4 5,5 5,3 5,3 5,2 5,4 32 5,2 31 0,2 1
HE 7,2 7,1 7,3 7,2 7,2 7,2 43 7,2 43 0,0 0
TH 2,9 3,0 2,8 2,8 2,8 2,8 17 2,8 17 0,0 0
RP 4,9 5,0 5,1 5,1 5,0 5,0 30 5,0 30 0,0 0
BY 15,3 15,3 15,0 15,0 14,5 15,4 92 14,5 87 0,9 5
BW 12,8 12,4 12,9 12,9 12,6 12,7 76 12,6 75 0,1 1
SL 1,2 1,3 1,3 1,3 1,3 1,2 7 1,3 8 -0,1 -1
Bund 100,0 100,0 100,0 100,0 100,1 100,1 598 100,1 598 0,0 0

Schließlich kann es durch die Aufteilung der 598 Mandate in 16 Mandatskontingente im ersten Schritt für sich genommen schon zu Abweichungen zwischen dem Anteil der Summe der in den Kontingenten erzielten Mandate einer Bundestagspartei an allen Mandaten und dem bundesweiten Stimmenanteil dieser Bundestagspartei an den Stimmen aller Bundestagsparteien kommen. Das liegt an den zahlreichen Rundungen auf notwendigerweise ganze Mandate bei den Verteilungen in insgesamt 16 Kontingenten. Dadurch kann die reale Verteilung der Mandate in den Kontingenten zusätzlich von einer idealen Mandatsverteilung der Mandate zuerst auf die Bundestagsparteien nach ihren bundesweiten Stimmenanteilen und danach auf ihre Landeslisten abweichen.

Bei solchen Abweichungen der realen Mandatskontingente von der idealen Mandatsverteilung erhalten die Bundestagsparteien beim zweiten Schritt in manchen Ländern weniger Mandate und in anderen Ländern mehr Mandate als ihnen dort gemäß dem Anteil ihrer Stimmen vor Ort an den Stimmen aller Bundestagsparteien bundesweit zustehen. Diese Unterschiede werden für die Darstellung hier „Listen-Überhangmandate“ (mehr Mandate aus dem realen Kontingent als laut idealer Verteilung im Bundesland) und „Listen-Unterhangmandate (weniger Mandate aus dem realen Kontingent als laut idealer Verteilung im Bundesland) bezeichnet. Dazu kommen unter Umständen noch die Direkt-Überhangmandate. Für die Bundestagswahl 2013 ist das in Tabelle 5 aufgeschlüsselt.

Tabelle 5: Mandate laut realen Mandatskontingenten, aus Direktmandaten, laut idealer Mandatsverteilung und gemäß dem zweiten Schritt der Ersten Verteilungsstufe
Land CDU SPD Die Linke. Bündnis 90/Die Grünen CSU
  K DM Ideal Mandate K DM Ideal Mandate K DM Ideal Mandate K DM Ideal Mandate K DM Ideal Mandate
        M davon       M davon       M davon       M davon       M davon
          DÜM LÜM LUM         DÜM LÜM LUM         DÜM LÜM LUM         DÜM LÜM LUM         DÜM LÜM LUM
SH 10 9 10 10 - - - 8 2 8 8 - - - 1 0 1 1 - - - 3 0 2 3 - 1 - - - - - - - -
MV 6 6 6 6 - - - 3 0 2 3 - 1 - 3 0 3 3 - - - 1 0 1 1 - - - - - - - - - -
HH 5 1 5 5 - - - 5 5 5 5 - - - 1 0 1 1 - - - 2 0 2 2 - - - - - - - - - -
NI 28 17 30 28 - - 2 22 13 24 22 - - 2 3 0 4 3 - - 1 6 0 6 6 - - - - - - - - - -
HB 1 0 2 1 - - 1 2 2 2 2 - - - 1 0 1 1 - - - 1 0 1 1 - - - - - - - - - -
BB 8 9 8 9 1 - - 5 1 5 5 - - - 5 0 5 5 - - - 1 0 1 1 - - - - - - - - - -
ST 8 9 8 9 1 - - 4 0 3 4 - 1 - 5 0 5 5 - - - 1 0 1 1 - - - - - - - - - -
BE 8 5 8 8 - - - 7 2 7 7 - - - 5 4 5 5 - - - 4 1 3 4 - 1 - - - - - - - -
NW 59 37 61 59 - - 2 48 27 49 48 - - 1 9 0 9 9 - - - 12 0 12 12 - - - - - - - - - -
SN 16 16 16 16 - - - 6 0 6 6 - - - 8 0 8 8 - - - 2 0 2 2 - - - - - - - - - -
HE 20 17 20 20 - - - 15 5 15 15 - - - 3 0 3 3 - - - 5 0 5 5 - - - - - - - - - -
TH 8 9 8 9 1 - - 3 0 3 3 - - - 5 0 5 5 - - - 1 0 1 1 - - - - - - - - - -
RP 15 14 15 15 - - - 10 1 10 10 - - - 2 0 2 2 - - - 3 0 3 3 - - - - - - - - - -
BY - - - 0 - - - 23 0 21 23 - 2 - 4 0 4 4 - - - 9 0 9 9 - - - 56 45 53 56 - 3 -
BW 43 38 42 43 - 1 - 19 0 19 19 - - - 4 0 4 4 - - - 10 0 10 10 - - - - - - - - - -
SL 3 4 3 4 1 - - 3 0 3 3 - - - 1 0 1 1 - - - 0 0 1 0 - - 1 - - - - - - -
Summe 238 191 242 242 4 1 5 183 58 182 183 0 4 3 60 4 61 60 0 0 1 61 1 60 61 0 2 1 56 45 53 56 0 3 0
ÜM       0             1             -1             1             3      

K: Mandatszahl laut Anteil am realen Mandatskontingent
DM: Anzahl der Direktmandate
Ideal: Mandatszahl im Bundesland laut idealer Mandatsverteilung
M: Mandatszahl laut zweitem Schritt der Ersten Verteilungsstufe (Maximum von K und DM)
DÜM: Direkt-Überhangmandate bezogen auf die ideale Mandatsverteilung
LÜM: Listen-Überhangmandate bezogen auf die ideale Mandatsverteilung
LUM: Listen-Unterhangmandate bezogen auf die ideale Mandatsverteilung
ÜM: Überhangmandate = Summe aus Direkt-Überhangmandaten und Listen-Überhangmandaten abzüglich Listen-Unterhangmandate, identisch mit der Differenz aus der Mandatszahl laut dem zweiten Schritt der Ersten Stufe (M) und den Mandaten laut Anteil an der idealen Mandatsverteilung (Ideal)

Am Ende der Ersten Stufe werden die Mandate aus den 16 Mandatskontingenten für jede Partei aufsummiert. Diese Summen sind die „Mindestsitze“. Jede Partei erhält mindestens so viele Mandate, wie sie Mindestsitze hat. Bei der Bundestagswahl 2013 erzielte beispielsweise die CDU 242 Mindestsitze (die Summe in der Spalte „M“ in Tabelle 5).

Zweite Stufe, erster Schritt: Oberverteilung

In der Zweiten Verteilungsstufe wird zuerst die Oberverteilung vorgenommen (erster Schritt) und danach die Unterverteilung (zweiter Schritt).

Bei dem Aufsummieren der Mindestsitze kann es passieren, dass sich Überhang und Unterhang aus der Ersten Stufe gegenseitig aufwiegen. Per Saldo erzielt eine Partei dann genau so viele Mindestsitze, wie es ihrem Stimmenanteil an den Stimmen aller Bundestagsparteien bezogen auf die mindestens zu verteilenden 598 Bundestagsmandate entspricht. So war es 2013 bei der CDU: sie erzielte vier Direkt-Überhangmandate in Brandenburg, dem Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie ein Listen-Überhangmandat in Baden-Württemberg. Diese insgesamt fünf Überhangmandate wurden durch ebenfalls insgesamt fünf Listen-Unterhangmandate wieder ausgeglichen. Für die CDU fiel 2013 eines davon in Bremen an und je zwei in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Es kann aber auch sein, dass sich Überhang und Unterhang nicht gegenseitig aufwiegen. So war es 2013 beispielsweise bei der SPD. Vier Listen-Überhangmandate standen nur drei Listen-Unterhangmandaten gegenüber. Folglich verzeichnete die SPD insgesamt einen Mindestsitz mehr als ihrem Anteil an den Stimmen aller Bundestagsparteien bezogen auf 598 Mandate entsprach.

Nun sind den Parteien zwar ihre Mindestsitze garantiert. Außerdem muss jedoch das Verhältnis der Mandate zwischen den Bundestagsparteien auch dem Verhältnis der Stimmen zwischen den Bundestagsparteien entsprechen. Bei garantierten Mindestsitzen kann für keine Partei ihre Mandatszahl aus der Ersten Stufe reduziert werden. Das Mandatsverhältnis kann deshalb dem Stimmenverhältnis nur durch zusätzliche Mandate angeglichen werden. Entsprechend müssen für die Oberverteilung der Mandate auf die Parteien unter Umständen zusätzliche Mandate zugeteilt werden.

Das geschieht durch die Ermittlung je eines Divisors für jede Partei. Dieser Divisor entspricht der Stimmenzahl der Partei geteilt durch ihre Mindestsitzzahl minus 0,5. Je geringer die Stimmenzahl einer Partei bezogen auf ihre Mindestsitzzahl ist, desto stärker weicht das Verhältnis von Mindestsitzen zu Stimmen für eine Partei nach oben ab, desto stärker ist sie mit Blick auf die Mindestsitze überrepräsentiert und desto kleiner ist dieser Parteien-Divisor jeweils. 2013 lag der Parteien-Divisor beispielsweise für die CDU bei rund 61788 (14.921.877 Stimmen und 242 Mindestsitze, also 14.921.877/241,5 ˜ 61788). Für die CSU (3.243.569 Stimmen und 56 Mindestsitze) lag er bei rund 58442. Entlang des kleinsten Parteien-Divisors werden schließlich mithilfe des Sainte Laguë-Schepers-Verfahrens die Stimmen für jede Partei in Mandate umgerechnet. Dafür wird ein verwendbarer Divisor gebildet, der es trotz Rundung auf ganze Mandate garantiert, dass jede Partei ihre Mindestsitzzahl erhält und dass das Verhältnis der Mandatsanteile und dem Verhältnis der Stimmenanteile entspricht. Dadurch kann es niemals zu einer Verkleinerung der Mandatszahl unter 598 kommen, sondern nur zu einer Vergrößerung. Das ist in Tabelle 6 dargestellt.

Tabelle 6: Stimmen und Stimmenanteile der Bundestagsparteien sowie Mandatsverteilungen mit den jeweiligen Mindestsitzzahlen der Parteien als Grundlage
  Verteilung Parteien-Divisor Verhältnis Mandate-Stimmen gewahrt
CDU SPD Die Linke. Bündnis 90/Die Grünen CSU Insgesamt
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil  
Stimmen 14921877 40,5 11252215 30,5 3755699 10,2 3694057 10,0 3243569 8,8 36867417    
Mandate nach verwendeter Mindestsitzzahl                      
Erste Stufe 242 40,2 183 30,4 60 10,0 61 10,1 56 9,3 602 - nein
CDU 242 40,1 183 30,3 61 10,1 61 10,1 56 9,3 603 61788,310559 nein
SPD 242 40,1 183 30,3 61 10,1 61 10,1 56 9,3 603 61655,972603 nein
Die Linke. 242 40,1 183 30,3 61 10,1 61 10,1 56 9,3 603 63120,991597 nein
Bündnis 90/Die Grünen 245 40,3 184 30,3 62 10,2 61 10,0 56 9,2 608 61058,793388 nein
CSU 255 40,4 193 30,6 64 10,1 63 10,0 56 8,9 631 58442,684685 ja
Zusätzliche Mandate 13   10   4   2   0   29    

Zusätzliche Mandate: Mandate, die nach der Oberverteilung bei den Parteien über deren Mindestsitzzahlen hinaus anfielen Fett markiert: jeweils verwendete Mindestsitzzahl
Unterstrichen: Mindestsitzahl übersteigt Mandatsanzahl laut verwendetem Parteien-Divisor und verzerrt dadurch das Verhältnis Mandatsanteil-Stimmenanteil

Bei der Bundestagswahl 2013 war das Verhältnis aus Mandatsanteilen und Stimmenanteilen unter Einhaltung der jeweiligen Mindestsitzzahlen nur gewahrt, wenn die Mindestsitzzahl der CSU als Grundlage für die Verteilung benutzt wurde. Sie wich mit 56 Mandaten am weitesten von ihrem Anteil an den Stimmen aller Bundestagsparteien ab. Um CSU-Mindestsitzzahl und CSU-Stimmenanteil im Verhältnis zu den anderen Bundestagsparteien anzugleichen, waren insgesamt 631 Mandate notwendig. Es wurden also insgesamt 33 Mandate mehr vergeben als die eigentlich vorgesehen 598.

Davon kamen vier Mandate durch die vier Direkt-Überhangmandate der CDU zustande. Wie beschrieben, wurden diese beim Aufsummieren für die CDU selbst durch Unterhangmandate wieder ausgeglichen. Aber sie führten zu einer Erhöhung der gesamten Mandate aus den Kontingenten insgesamt um vier. Folglich kam es zu insgesamt ebenfalls vier Mandaten zu viel am Ende der Ersten Stufe durch die Salden aus Überhang- und Unterhangmandaten (0 CDU + 1 SPD + 1 B.90/Grüne – 1 Linke. + 3 CSU = 4, s. Tabelle 5).

Die übrigen 29 Mandate fielen wiederum erst in der Zweiten Stufe bei der Oberverteilung an, um Mandate und Stimmenanteile ins Verhältnis zu bringen.

Zweite Stufe, zweiter Schritt: Unterverteilung

Nun werden die Mandate für die Parteien laut Oberverteilung den einzelnen Landeslisten zugewiesen. Das ist die Unterverteilung. Hierfür werden jeder Bundestagspartei in jedem Land so viele Mandate zugewiesen, wie es dem Stimmenanteil der Partei im Land an allen Stimmen der Partei bundesweit entspricht. Auch das geschieht nach dem Sainte Laguë-Schepers-Verfahren durch die Bildung von Divisoren.

Diese Divisoren werden so bestimmt, dass es nicht durch Rundung auf ganze Mandate für die Länder in der Summe zu mehr oder weniger Mandaten kommt, als einer jeden Partei laut Oberverteilung zustehen. Dafür wird zunächst für jede Partei ein Anfangsdivisor gebildet, indem ihre bundesweite Stimmenzahl durch die Anzahl ihrer Mandate laut Oberverteilung geteilt wird. Durch diesen parteispezifischen Anfangsdivisor werden dann wiederum für jede Partei die Stimmen geteilt, die sie jeweils in den Ländern erzielt hat. Die Ergebnisse werden auf ganze Mandate gerundet. Weicht die Summe dieser Mandate von der Mandatszahl laut Oberverteilung ab, wird der Divisor so oft erhöht (bei höherer Summe) oder gesenkt (bei niedrigerer Summe), bis Mandatssumme und Mandatszahl laut Oberverteilung übereinstimmen.

Das ist für das Beispiel der SPD bei der Wahl 2013 in Tabelle 7 dargestellt. 2013 führte der Anfangsdivisor bei ihr zunächst in der Summe zu 195 Mandaten und damit zu zwei Mandaten mehr, als ihr laut Oberverteilung zustanden. Er wurde dann zweimal erhöht, bis die Summe von 193 Mandaten laut Oberverteilung genau getroffen wurde.

Tabelle 7: Unterverteilung der Mandate der Parteien auf die Länder durch Bildung und Anpassung eines Divisors an die Mandatszahl laut Oberverteilung am Beispiel der SPD bei der Bundestagswahl 2013
Bundesland Stimmen Anfangsdivisor: 58031,632124 Zweiter, erhöhter Divisor: 58400 Treffend erhöhter Divisor: 58500 Ermittlung der Anzahl der Listenmandate
  Ergebnis Mandate Ergebnis Mandate Ergebnis Mandate DM LM
SH 513725 8,8115 9 8,7967 9 8,7816 9 2 7
MV 154431 2,6488 3 2,6444 3 2,6398 3 0 3
HH 288902 4,9553 5 4,947 5 4,9385 5 5 0
NI 1470005 25,2138 25 25,1713 25 25,1283 25 13 12
HB 117204 2,0103 2 2,0069 2 2,0035 2 2 0
BB 321174 5,5088 6 5,4996 5 5,4902 5 1 4
ST 214731 3,6831 4 3,6769 4 3,6706 4 0 4
BE 439387 7,5364 8 7,5238 8 7,5109 8 2 6
NW 3028282 51,9416 52 51,8541 52 51,7655 52 27 25
SN 340819 5,8458 6 5,8359 6 5,826 6 0 6
HE 906906 15,5554 16 15,5292 16 15,5027 16 5 11
TH 198714 3,4084 3 3,4026 3 3,3968 3 0 3
RP 608910 10,4441 10 10,4265 10 10,4087 10 1 9
BY 1314009 22,5381 23 22,5002 23 22,4617 22 0 22
BW 1160424 19,9038 20 19,8703 20 19,8363 20 0 20
SL 174592 2,9946 3 2,9896 3 2,9845 3 0 3
Summe 11252215 192,9998 195 192,675 194 192,3456 193 58 135
Abweichung     2   1   0    

Abweichung: Mandatssumme abzüglich Mandatszahl laut Oberverteilung (193 Mandate für die SPD)
DM: Direktmandate
LM: Listenmandate, ermittelt durch Abzug der Direktmandate im Land von den Mandaten im Land laut treffend erhöhtem Divisor

Von den Mandaten in den Ländern laut treffendem Divisor werden schließlich noch die Direktmandate abgezogen. Die übrig bleibenden Mandate gehen als Listen-Mandate an die Bewerber in der Reihenfolge, in der sie auf der Liste der jeweiligen Partei erscheinen. Für die Bundestagswahl 2013 ist das in Tabelle 8 dargestellt.

Tabelle 8: Mandatsverteilung bei der Bundestagswahl 2013 nach Parteien, Ländern und Mandatsart
Land CDU SPD Die Linke. Bündnis 90/Die Grünen CSU Insgesamt
G DM LM G DM LM G DM LM G DM LM G DM LM G DM LM
SH 11 9 2 9 2 7 1 0 1 3 0 3 - - - 24 11 13
MV 6 6 0 3 0 3 3 0 3 1 0 1 - - - 13 6 7
HH 5 1 4 5 5 0 1 0 1 2 0 2 - - - 13 6 7
NI 31 17 14 25 13 12 4 0 4 6 0 6 - - - 66 30 36
HB 2 0 2 2 2 0 1 0 1 1 0 1 - - - 6 2 4
BB 9 9 0 5 1 4 5 0 5 1 0 1 - - - 20 10 10
ST 9 9 0 4 0 4 5 0 5 1 0 1 - - - 19 9 10
BE 9 5 4 8 2 6 6 4 2 4 1 3 - - - 27 12 15
NW 63 37 26 52 27 25 10 0 10 13 0 13 - - - 138 64 74
SN 17 16 1 6 0 6 8 0 8 2 0 2 - - - 33 16 17
HE 21 17 4 16 5 11 3 0 3 5 0 5 - - - 45 22 23
TH 9 9 0 3 0 3 5 0 5 1 0 1 - - - 18 9 9
RP 16 14 2 10 1 9 2 0 2 3 0 3 - - - 31 15 16
BY - - - 22 0 22 4 0 4 9 0 9 56 45 11 91 45 46
BW 43 38 5 20 0 20 5 0 5 10 0 10 - - - 78 38 40
SL 4 4 0 3 0 3 1 0 1 1 0 1 - - - 9 4 5
Summe 255 191 64 193 58 135 64 4 60 63 1 62 56 45 11 631 299 332

G: Mandate insgesamt
DM: Direktmandate
LM: Listenmandate

Zum Beispiel entfielen bei der SPD 2013 in Schleswig-Holstein von den neun Mandaten, die ihr am Ende in diesem Bundesland zufielen, zwei auf Direktmandate und die übrigen sieben auf Listenmandate.

Bei der Unterverteilung können sich abweichend davon die Direkt-Überhangmandate noch ein weiteres Mal auswirken. Denn sie bleiben als Direktmandate generell erhalten. Dies wird bei der Ermittlung des Divisors für die Unterverteilung derjenigen Parteien berücksichtigt, die in der Ersten Stufe Direkt-Überhangmandate erzielt haben.

Dafür wird von vornherein für jedes Land die Zahl der dort auf eine Partei angefallenen Direktmandate als Mindestzahl für die in diesem Land auf die Partei entfallenden Mandate fixiert. Falls sich bei der Ermittlung des Divisors zeigt, dass auf dieses Land weniger Mandate entfallen müssten, als dort Direktmandate anfielen, bleiben die Direktmandate dort trotzdem vollständig erhalten. Dann entsteht eine Differenz, die größer ist als Null. Sie entspricht mindestens der Anzahl der Direkt-Überhangmandate dieser Partei aus der Ersten Stufe, falls es 598 Mandate gibt. Sie ist umso kleiner, je mehr zusätzliche Mandate es gibt.

Wenn diese Differenzen in den Ländern auftreten, wird der Divisor so weit erhöht, dass die übrigen Länder zusammen so viel Mandate weniger erhalten, wie die Beträge dieser Differenzen summiert ergeben. Es wird dann also innerhalb der Partei zugunsten von Ländern mit Direktmandaten umverteilt. Das ist als Beispiel für die CDU bei der Wahl 2013 in Tabelle 9 dargestellt.

Tabelle 9: Effekt von Direkt-Überhangmandaten auf die Unterverteilung am Beispiel der CDU bei der Bundestagswahl 2013
Bundesland Stimmen Ermittlung und Anwendung des Anfangsdivisors, Abgleich mit Direktmandaten 1. Iterationsschritt 2. Iterationsschritt 3. Iterationsschritt
Anfangsdivisor: 58517,164706 DM DÜM Maximum Differenz Erster erhöhter Divisor: 59000 Zweiter erhöhter Divisor: 59400 Treffend erhöhter Divisor: 59500
Ergebnis Mandate         Ergebnis Mandate Ergebnis Mandate Ergebnis Mandate
SH 638756 10,9157 11 9 - 11 0 10,8264 11 10,7535 11 10,7354 11
MV 369048 6,3067 6 6 - 6 0 6,2551 6 6,2129 6 6,2025 6
HH 285927 4,8862 5 1 - 5 0 4,8462 5 4,8136 5 4,8055 5
NI 1825592 31,1975 31 17 - 31 0 30,9422 31 30,7339 31 30,6822 31
HB 96459 1,6484 2 0 - 2 0 1,6349 2 1,6239 2 1,6212 2
BB 482601 8,2472 8 9 1 9 1 8,1797 9 8,1246 9 8,1109 9
ST 485781 8,3015 8 9 1 9 1 8,2336 9 8,1781 9 8,1644 9
BE 508643 8,6922 9 5 - 9 0 8,6211 9 8,563 9 8,5486 9
NW 3776563 64,5377 65 37 - 65 0 64,0095 64 63,5785 64 63,4716 63
SN 994601 16,9967 17 16 - 17 0 16,8576 17 16,7441 17 16,716 17
HE 1232994 21,0706 21 17 - 21 0 20,8982 21 20,7575 21 20,7226 21
TH 477283 8,1563 8 9 1 9 1 8,0895 9 8,0351 9 8,0216 9
RP 958655 16,3825 16 14 - 16 0 16,2484 16 16,139 16 16,1118 16
BY - - - - - - - - - - - - -
BW 2576606 44,0316 44 38 - 44 0 43,6713 44 43,3772 43 43,3043 43
SL 212368 3,6292 4 4 1 4 0 3,5995 4 3,5752 4 3,5692 4
Summe 14921877 255 255 191 4 258 3 252,9132 257 251,2101 256 250,7878 255
Abweichung     0     3     2   1   0

Abweichung: Mandatssumme abzüglich Mandatszahl laut Oberverteilung (255 Mandate für die CDU)
DM: Direktmandate
DÜM: Direkt-Überhandmandate nach der Ersten Stufe
Maximum: Maximum von zugewiesenen Mandaten laut Anfangsdivisor und Direktmandaten
Differenz: Differenz zwischen Maximum und Anzahl der zugewiesenen Mandate laut Anfangsdivisor
Fett: Alle zugeteilten Mandaten entfallen auf Direktmandate
Unterstrichen: Mandatszahl weicht von der Mandatszahl laut Anfangsdivisor nach unten ab

Die CDU erzielte bei der Wahl 2013 insgesamt vier Direkt-Überhangmandate in Brandenburg, dem Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Nach der Erhöhung der CDU-Mindestsitzzahl von 242 um 13 Mandate auf die Mandatszahl 255 laut Oberverteilung (s. Tabelle 6) entsprach ihre Mandatszahl im Saarland laut Anfangsdivisor der Zahl ihrer dortigen Direktmandate. Das Direkt-Überhangmandat im Saarland verursachte also keine relevante Differenz. In Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen entstand beim Abgleich von Direktmandaten und Mandaten laut Anfangsdivisor aber jeweils eine Differenz von Eins. Insgesamt entfielen damit auf die CDU drei Mandate mehr, als ihr laut Oberverteilung zustanden. Diese Differenz kam (anders als beispielsweise bei der SPD, s. Tabelle 7) nicht durch Rundungen auf ganze Mandate zustande. Diese Differenz musste durch dreimalige Erhöhung des Divisors auf Kosten der Länder bewältigt werden, in denen weniger Direktmandate angefallen waren als dort Mandate laut Anfangsdivisor zu vergeben waren.

Dadurch kam es bei fixen Mandatszahlen für die Länder mit Direkt-Überhangmandaten und für Mecklenburg-Vorpommern, wo die Direktmandatszahl mit der Mandatszahl laut Anfangsdivisor übereinstimmte, zur Reduzierung der Mandate für Nordrhein-Westfalen um zwei von 65 auf 63 und der Mandate für Baden-Württemberg um eines von 44 auf 43.

Im Zuge dieser Umverteilung kann es dazu kommen, dass in Ländern, in denen laut Anfangsdivisor Listenmandate angefallen wären, nur noch Direktmandate vergeben werden. Im extremsten Fall bleiben in überhaupt keinem Land mehr Listenmandate übrig.

Bei der Wahl 2013 hätte sich zum Beispiel die Unterverteilung für die CDU in diese Richtung bewegt, wenn es für sie keine zusätzlichen Mandate gegeben hätte. Die Differenz hätte dann bei fünf gelegen, denn neben Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen hätte dann auch im Saarland ein Direktmandat mehr vorgelegen als laut Anfangsdivisor zulässig und schließlich hätte die Rundung auf ganze Mandate ein weiteres Mandat entstehen lassen. Diese Differenz hätte mit einem Divisor in Höhe von 63250 auf Kosten je eines Listenmandats in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz beseitigt werden müssen. Dazu wäre es bei geringfügig anderen Länderkontingenten aus dem ersten Schritt der Ersten Stufe gekommen.

Berechnung der Überhang- und Ausgleichsmandate auf dieser Website und in der Amtlichen Statistik

Die Berechnungsweise der Überhang- und Ausgleichsmandate hier weicht von der Amtlichen Statistik ab. Das liegt an der Klassifizierung mancher Mandate, die in der Ersten Stufe erzielt wurden, als Listen-Überhangmandate und der Listen-Unterhangmandate, die der Bundeswahlleiter nicht vornimmt. Hier kommen diese Mandatstypen durch die Orientierung an einer „idealen Mandatsverteilung“ von 598 Mandaten auf die Bundestagsparteien genau entlang deren bundesweiter Stimmenanteile zustande. Für die Zuteilung der Mandate an die Parteien laut Wahlgesetz ist diese Orientierung an einer abstrakten Verteilung nicht erforderlich, weil die Zuteilungsprozedur dort schon ausreichend detailliert vorgeschrieben ist.

Allerdings kommt es zu Unterschieden bei der Einordnung von Mandaten als Ausgleichsmandate laut Unterverteilung. Hier wird für deren Einordnung die ideale Mandatsverteilung mit der Mandatsverteilung nach der Ersten und Zweiten Stufe verglichen. Als Überhangmandate werden hier Mehrmandate im Vergleich zur idealen Mandatsverteilung bezeichnet, wenn sie sowohl in der Ersten Stufe als auch in der Zweiten Stufe auftreten. Als Ausgleichsmandate werden hier Mehrmandate bezeichnet, die nur in der Zweiten Stufe auftreten. Wie oben erklärt, kann eine Partei in einem Bundesland aber auch nach der Ersten Stufe mehr Mandate erzielen als ihr dort gemäß ihrem Stimmenanteil zustehen. Wenn diese Mehrmandate nicht durch Direktmandate zustande kommen, kann es geschehen, dass sie bei der Unterverteilung in der Zweiten Stufe für diese Partei in diesem Land wieder verloren gehen. Sie erzielt dann in diesem Land in der Zweiten Stufe weniger Mandate als in der Ersten Stufe. Ebenso kann sie in der Ersten Stufe in einem Bundesland weniger Mandate erzielen, als ihr laut idealer Mandatsverteilung dort zustünden. Diese Mindermandate werden jedoch selbst dann ausgeglichen, wenn es überhaupt keine zusätzlichen Mandate (ober die Zahl von 598 hinaus) gibt. Solche bei zusätzlichen Mandaten entfallenden Mehrmandate und auch ohne zusätzliche Mandate wieder aufgefüllte Mindermandate im Vergleich zur idealen Mandatsverteilung, die nur in der Ersten Stufe auftreten, werden hier ignoriert. Denn sie fallen in der Zweiten Stufe und damit bei der endgültigen Mandatsverteilung nicht an.

Beim Bundeswahlleiter wird dagegen für die Ermittlung der Überhangmandate nur die Mandatsverteilung nach der Ersten Stufe laut Divisoren beim zweiten Schritt mit den Mindestsitzen verglichen. Dadurch können nur Direktmandate als Überhangmandate identifiziert werden.

Für die Ausgleichsmandate wird die Mandatsverteilung nach der Zweiten Stufe mit den Mindestsitzen nach der Ersten Stufe in den Länderkontingenten verglichen. Wie beschrieben, ist es möglich, dass Mandate aus der Ersten Stufe in der Zweiten Stufe wieder verloren gehen. Deshalb kann eine Partei aus Sicht des Bundeswahlleiters „negative“ Ausgleichsmandate erzielen. Die Überhang- und Ausgleichsmandate bei der Bundestagswahl 2013 je nach Berechnung hier und beim Bundeswahlleiter sind in Tabellen 10 und 11 angegeben. Die dafür zugrunde liegenden Mandatsverteilungen finden sich in Tabelle 5 (ideale Mandatsverteilung und Mandatsverteilung nach der Ersten Stufe) und in Tabelle 8 (Mandatsverteilung nach der Zweiten Stufe). Dort erzielte die SPD aus Sicht des Bundeswahlleiters ein negatives Ausgleichsmandat in Bayern durch das Entfallen eines Mandats in der Zweiten Stufe gegenüber der Ersten Stufe. Aus Sicht dieser Website kam es für die SPD in Bayern dagegen zu einem Listen-Überhangmandat durch ein Mandat, dass in beiden Stufen mehr anfiel, als laut idealer Verteilung nötig.

Tabelle 10: Überhang- und Ausgleichsmandate bei den Darstellungen auf dieser Website
Land CDU   SPD   Die Linke.   B. 90/Grüne   CSU   Insgesamt
Ü A   Ü A   Ü A   Ü A   Ü A   Ü A
  davon       davon       davon       davon       davon       davon  
                                 
SH - - - 1   - - - 1   - - - -   1 - 1 -   - - - -   1 - 1 2
MV - - - - 1 - 1 - - - - - - - - - - - - - 1 - 1 -
HH - - - -   - - - -   - - - -   - - - -   - - - -   - - - -
NI - - - 1 - - - 1 - - - - - - - - - - - - - - - 2
HB - - - -   - - - -   - - - -   - - - -   - - - -   - - - -
BB 1 1 - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 1 - -
ST 1 1 - -   1 - 1 -   - - - -   - - - -   - - - -   2 1 1 -
BE - - - 1 - - - 1 - - - 1 1 - 1 - - - - - 1 - 1 3
NW - - - 2   - - - 3   - - - 1   - - - 1   - - - -   - - - 7
SN - - - 1 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1
HE - - - 1   - - - 1   - - - -   - - - -   - - - -   - - - 2
TH 1 1 - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 1 - -
RP - - - 1   - - - -   - - - -   - - - -   - - - -   - - - 1
BY - - - - 1 - 1 - - - - - - - - - 3 - 3 - 4 - 4 -
BW 1 - 1 -   - - - 1   - - - 1   - - - -   - - - -   1 - 1 2
SL 1 1 - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 1 - -
Summe 5 4 1 8   3 0 3 8   0 0 0 3   2 0 2 1   3 0 3 0   13 4 9 20

Ü: Überhangmandate
A: Ausgleichsmandate
DÜ: Direkt-Überhangmandate
LÜ: Listen-Überhangmandate

Tabelle 11: Überhang- und Ausgleichsmandate bei den Darstellungen des Bundeswahlleiters
Land CDU   SPD   Linke.   B.90/Grüne   CSU   Insgesamt
Ü A   Ü A   Ü A   Ü A   Ü A   Ü A
SH - 1 - - 1 - - - - - - - - - - - 2
MV - - - - - - - - - - - - - - - - -
HH - - - - - - - - - - - - - - - - -
NI - 3 - - 3 - - 1 - - - - - - - - 7
HB - 1 - - - - - - - - - - - - - - 1
BB 1 - - - - - - - - - - - - - - 1 -
ST 1 - - - - - - - - - - - - - - 1 -
BE - 1 - - 1 - - 1 - - - - - - - - 3
NW - 4 - - 4 - - 1 - - 1 - - - - - 10
SN - 1 - - - - - - - - - - - - - - 1
HE - 1 - - 1 - - - - - - - - - - - 2
TH 1 - - - - - - - - - - - - - - 1 -
RP - 1 - - - - - - - - - - - - - - 1
BY - - - - -1 - - - - - - - - - - - -1
BW - - - - 1 - - 1 - - - - - - - - 2
SL 1 - - - - - - - - - 1 - - - - 1 1
Summe 4 13 - - 10 - - 4 - - 2 - - - - 4 29

Regelungen zur Mandatszuteilung bei früheren Bundestagswahlen

Bei früheren Bundestagswahlen war die Prozedur der Mandatszuteilung wesentlich einfacher als bei der Wahl 2013. Im Folgenden werden sie und die wichtigsten anderen vom heutigen Wahlrecht abweichenden Regel kurz vorgestellt, angefangen mit der ersten Bundestagswahl 1949.

Wahl 1949

Jeder Wähler hat nur eine Stimme. Mit ihr wählt er sowohl einen Direktmandatsbewerber in seinem Wahlkreis als auch dessen Partei. 242 Direktmandate stehen 158 zunächst (d.h. ohne Überhangmandate) zu vergebenden Listenmandaten gegenüber. Insgesamt liegt das Verhältnis Direktmandate : Listenmandate bei rund 60 : 40.

Bis 1987 kommen dazu in der Regel nicht-stimmberechtigte Mitglieder für Berlin, die vom Berliner Abgeordnetenhaus gewählt werden.

Die Stimmen werden nach Bundesländern getrennt gezählt und die Mandate werden nach Bundesländern getrennt verteilt. Es gibt also 16 Verteilungen, aber keine getrennte Ober- und Unterverteilung. Dies galt auch 1953

Bei Überhangmandaten wird die Zahl der zu verteilenden Mandate im Land um die Zahl der Überhangmandate erhöht. So bleibt es bis 1953.

Die Verteilung der (ggf. um die Zahl der Überhangmandate vermehrten) Mandate wird nach dem Verfahren d’Hondt vorgenommen. Dieses Verfahren gilt bis 1983.

Innerhalb jedes Bundeslands gelten Fünf-Prozent-Hürde und Grundmandatsklausel. Eine Partei, die in einem Bundesland die Fünf-Prozent-Hürde überspringt, nimmt also dort an der Mandatszuteilung teil, aber nicht in einem Bundesland, in dem sie diese Hürde nicht überspringt. Die Grundmandatsklausel gilt ebenfalls für jedes Bundesland einzeln und ist schon erfüllt, wenn eine Partei nur ein Direktmandat erzielt.

Wahl 1953

Jede Partei muss die Fünf-Prozent-Hürde bundesweit überspringen, um an der Mandatszuteilung teilzunehmen. So ist es bis heute.

Die Grundmandatsklausel liegt wie bei der Wahl 1949 bei einem Direktmandat.

Das Verhältnis zwischen Direkt- und Listenmandaten ohne Überhangmandate wird auf 50 : 50 festgelegt. Bei diesem Verhältnis bleibt es bis heute

Die Zahl der Listenmandate wird gegenüber der Wahl 1949 um 84 auf 242 erhöht. Ohne Überhangmandate werden damit 484 Mandate vergeben.

Die Mandatszuteilung erfolgt mit einer einzigen Oberverteilung für das gesamte Bundesgebiet und anschließend mit einer Unterverteilung auf die Länder. Diese Regelung bleibt bis 2009 erhalten.

Wahlen 1957 und 1961

Die Grundmandatsklausel liegt bei drei Direktmandaten. Damit sind die Voraussetzungen für die Teilnahme an der Mandatszuteilung seither unverändert.

Durch den Beitritt des Saarlands erhöht sich die Zahl der Direktmandate um fünf auf 247 und damit die Mandatszahl ohne Überhangmandate auf 494.

Wahlen 1965 bis 1983

Die Zahl der Direktmandate liegt bei 248. Damit beträgt die Zahl der insgesamt ohne Überhangmandate zu vergebenden Mandate 496. So ist es auch bei der Wahl 1987.

Wahl 1987

Die Mandatszuteilung wird nach dem Verfahren Hare-Niemeyer vorgenommen. So bleibt es bis zur Wahl 2005.

Wahlen 1990 bis 1998

Mit dem Beitritt der Länder der ehem. DDR erhöht sich die Zahl der Direktmandate um 80 auf 328 und entsprechend die Mandatszahl ohne Überhangmandate um 160 auf 656.

Nur bei der Wahl 1990 gilt die Fünf-Prozent-Hürde getrennt für die zwei Wahlgebiete Alte Bundesländer und Berlin-West sowie Neuen Bundesländer und Berlin-Ost.

Wahlen 2002 und 2005

Die Zahl der Direktmandate wird um 29 auf 299 reduziert und entsprechend auch die Mandatszahl ohne Überhangmandate um 58 auf 598. So bleibt es bis heute.

Wahl 2009

Die Mandatszuteilung wird nach dem Verfahren Sainte Laguë-Schepers vorgenommen. So ist es noch heute.

Quellenverzeichnis

Bundeswahlleiter 2013: Wahl zum 18. Deutschen Bundestag am 22. September 2013. Heft 3: Endgültige Ergebnisse nach Wahlkreisen. Wiesbaden: Selbstverlag.

Bundeswahlgesetz i.d.F. vom 15.6.1949 (Bundesgesetzblatt I (BGBl.) 1949, S.21), 8.7.1953 (BGBl. 1953, S.470), 7.5.1956 (BGBl. 1956, S.383), 14.2.1965 (BGBl. 1964, S.61), 8.3.1985 (BGBl. 1985, S. S.521), 21.9.1990 (BGBl. 1990, S.2059, 8.10.1990 (BGBl. 1990, S.2141), 27.4.2001 (BGBl. 2001, S.701), 17.3.2008 (BGBl. 2008, S.316), 3.5.2013 (BGBl. 2013, S.1084).

Die Gestaltung der Tabellen und die Angaben zu allen Ergebnissen in Prozent und zur Mandatsverteilung gehen auf eigene Berechnungen nach den Angaben in o.a. Quellen zurück.

Abkürzungsverzeichnis
Ergebnisse der Bundestagswahlen seit 1949
Ergebnisse der Bundestagswahlen nach Bundesländern
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Zuletzt aktualisiert: 06.10.2013
Valentin Schröder
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