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Bundestagswahlen
Wahlsystem bei Bundestagswahlen


System der Mandatszuteilung bei Bundestagswahlen

Das Wahlrecht zum Bundestag wurde seit 1949 mehrmals geändert. Die folgende Darstellung bezieht sich ausführlich auf die Regeln zur Mandatszuteilung, wie sie seit der Bundestagswahl 2013 gelten. Die früheren Regelungen werden am Ende kurz im Zeitverlauf zusammengefasst.

Mischwahlsystem mit Verrechnung von Direktmandaten auf Listenmandate, Ober- und Unterverteilung, Mandatshürden, Divisorverfahren

In der Bundesrepublik gilt ein Mischwahlsystem, d.h. Elemente der Verhältniswahl und Elemente der Mehrheitswahl werden miteinander kombiniert. Jeder Wähler hat dafür zwei Stimmen: Erststimme und Zweitstimme.

Mit der Erststimme werden einzelne Kandidierende in jedem der 299 Wahlkreise gewählt. Wer von ihnen die meisten Stimmen im Wahlkreis erhält, erzielt das Bundestagsmandat für diesen Wahlkreis als sog. Direktmandat. Jede Partei kann eine/n Bewerber/in pro Wahlkreis vorschlagen. Außerdem können Personen, die nicht von einer Partei vorgeschlagen wurden ("Einzelbewerber"), für ein Direktmandat kandidieren. Diese Direktwahl einzelner Personen ist die Mehrheitswahl-Komponente im deutschen Mischwahlsystem.

Mit der Zweitstimme werden sog. Landeslisten der Parteien in jedem der 16 Bundesländer gewählt. Landeslisten sind Listen, auf denen die Parteien mehrere Kandidierende präsentieren (und nicht nur eine/n, wie in der Mehrheitswahl-Komponente). Jede Partei legt selbst fest, in welcher Rangfolge die Kandidierenden auf ihrer Liste erscheinen. Die Position in dieser Rangfolge wird Listenplatz genannt. Wer auf dem ersten Rang kandidiert, erhält den Listenplatz 1, auf dem zweiten Rang den Listenplatz 2, usw. bis zum letzten Rang. Je näher der eigene Listenplatz am Listenplatz 1 ist (je "besser" der Listenplatz ist), desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, ein Mandat auf der Liste ("Listenmandat") zu erzielen. Denn die Mandate, die auf die Landesliste einer Partei entfallen, werden den einzelnen Kandidierenden auf dieser Liste entlang dieser Rangfolge zugeteilt. Die Wählenden können nur eine ganze Landesliste wählen, aber nicht einzelne Kandidierende auf der Liste. Das wird "starre Listenwahl" genannt.

Nach der Wahl werden für jede Partei die Zweitstimmen summiert, die für ihre alle ihre Landeslisten insgesamt abgegeben wurden. Einer Partei können nun Listenmandate zugeteilt werden, wenn für sie insgesamt entweder mindestens fünf Prozent der bundesweit gültigen Zweitstimmen abgegeben wurden oder wenn sie mindestens drei Direktmandate erzielt hat. Erstere Voraussetzung wird "Fünf-Prozent-Hürde" und letztere Voraussetzung wird "Grundmandatsklausel" genannt. Die Parteien, die mindestens eine dieser Voraussetzungen erfüllen, werden hier "Bundestagsparteien" genannt. Entsprechend gehören Abgeordnete, die über ein Direktmandat in den Bundestag einziehen, die aber parteilos sind oder deren Partei keine dieser Voraussetzungen erfüllt, nicht zu einer "Bundestagspartei" im Sinne der folgenden Erläuterungen.

Jede Bundestagspartei erhält zusätzlich zu etwaigen Direktmandaten so viele Listenmandate, dass ihr Mandatsanteil ihrem Zweitstimmenanteil an den Zweitstimmen aller Bundestagsparteien entspricht. Das ist die sog. Oberverteilung. Mit ihr kommt die Verhältniswahl-Komponente des deutschen Mischwahlsystems zum Ausdruck. Da Abweichungen vom dem Verhältnis der Zweitstimmen und Mandate aufgrund von Direktmandaten so ausgeglichen werden, wird diese Wahlystem auch als "kompensatorisches" Mischwahlsystem bezeichnet.

Anschließend werden die Listenmandate jeder Bundestagspartei den Landeslisten zugeteilt. Dafür werden für jede Bundestagspartei in jedem Bundesland zunächst so viele Mandate vermerkt, wie es dem Anteil der Stimmen für die Landesliste dieser Partei im Land an allen Stimmen dieser Partei bundesweit entspricht. Von den jeder Partei so vermerkten Mandaten werden die Direktmandate abgezogen, die Kandidaten dieser Partei im jeweiligen Bundesland erzielt haben. Die übrigen Mandate werden als Listenmandate an die Kandidaten der Partei entsprechend ihrem Listenplatz vergeben. Das ist die sog. Unterverteilung.

Die genaue Prozedur der Mandatszuteilung per Oberverteilung und Unterverteilung wird unten im Einzelnen erklärt. Zunächst wird hier aber das sog. "Sainte Laguë-Verfahren" erläutert, mit dem bei Bundestagswahlen die Zweitstimmen der Bundestagsparteien in Mandate umgerechnet werden.

Mit dem Sainte Laguë-Verfahren werden Einheiten, z.B. Landeslisten einer Bundestagspartei bei der Unterverteilung, entlang bestimmter mit diesen Einheiten verbundener Zahlen, z.B. den auf die jeweiligen Landeslisten entfallenen Stimmenzahlen, jeweils so viele Mandate zugeteilt, wie es dem Größenverhältnis dieser Zahlen zueinander entspricht. Diese Einheiten und Zahlen können aber z.B. auch Bundesländer und ihre jeweiligen Bevölkerungszahlen oder Parlamentsfraktionen und ihre Mandatszahlen sein.

Für die Zuteilung nach dem Sainte Laguë-Verfahren werden die Zahlen als Dividenden nacheinander durch Divisoren geteilt. Diese Divisoren sind die ungeraden ganzen Zahlen beginnend mit 1, also 1, 3, 5 usw. Die Quotienten aus den Dividenden und Divisoren werden "Höchstzahlen" genannt. Sie sind umso kleiner, je größer der Divisor ist, durch den der Dividend geteilt wird. Z.B. ergeben sich für den Dividenden (also die Zahl) 42 für die ersten vier Divisoren des Sainte Laguë-Verfahrens (1, 3, 5 und 7) die vier Höchstzahlen 42,0, 12,0, 8,4 und 6,0. Im allgemeinen wird für die Bestimmung der N-ten Höchstzahl der Divisor DN mit der Formel

(1) DN = 2 * (N - 1) + 1

berechnet. Es müssen für jede Einheit maximal so viele Höchstzahlen berechnet werden, wie insgesamt Mandate zuzuteilen sind. Für jede errechnete Höchstzahl wird vermerkt, auf die Zahl welcher Einheit sie sich bezieht, also welcher Einheit sie zugehörig ist. So wird bei der Unterverteilung die Zweitstimmenzahl jeder Landesliste einer Bundestagspartei so oft dividiert, wie der Bundestagspartei laut Oberverteilung insgesamt Mandate zuzuteilen sind. Sind ihr z.B. insgesamt 13 Mandate zuzuteilen, wird die Zweitstimmenzahl jeder ihrer Landeslisten durch 1, 3, 5, 7, 9, 11, 13, 15, 17, 19, 21, 23 und 25 geteilt, sodass für jede Landesliste 13 Höchstzahlen errechnet und erst einmal als der jeweiligen Landesliste zugehörig vermerkt werden.

Anschließend werden alle Höchstzahlen nacheinander von der größten bis zur kleinsten Höchstzahl sortiert. Bei der Unterverteilung für eine Bundestagspartei mit drei Landeslisten und 13 zuzuteilenden Mandaten müssen also maximal 39 Höchstzahlen errechnet, jede von ihnen jeweils als der jeweiligen der drei Landeslisten zugehörig vermerkt und dann alle Höchstzahlen der Größe nach absteigend bis zur kleinsten Höchstzahl sortiert werden.

Angefangen mit der größten Höchstzahl wird dann entlang dieser Sortierung jeder nächstkleineren Höchstzahl je ein Mandat zugeordnet, bis alle zuzuteilenden Mandate einer Höchstzahl zugeordnet sind. In dem Beispiel wird also jeder der 13 größten Höchstzahlen je ein Mandat zugeordnet. Wenn etwa auf die Landesliste A 99 Stimmen entfielen (mit den ihr zugehörigen sechs größten Höchstzahlen 99, 33, 19,8, 14,2, 11 und 9), auf Landesliste B 72 Stimmen (72, 24, 14,4, 10,3, 8 und 6,5) und auf Landesliste C 33 Stimmen (33, 11, 6,6, 4,7, 3,7 und 3), dann lauten die 13 größten Höchstzahlen, in der Reihenfolge der Größe nach: 99, 72, 33-33, 24, 19,8, 14,4, 14,2, 11-11, 10,3, 9 und 8. Jeder davon wird ein Mandat zugeteilt. Die letzte und damit kleinste Höchstzahl, der noch ein Mandat zugeordnet ist, wird hier als "Kleinste Höchstzahl" bezeichnet. In dem Beispiel ist das die Höchstzahl 8. Die übrigen, noch kleineren Höchstzahlen bleiben ohne Mandate. Auf die nächstkleinere Höchstzahl verglichen mit der Kleinsten Höchstzahl, in dem Beispiel (6,6), und alle noch kleineren Höchstzahlen entfällt also kein Mandat mehr.

Die einer Höchstzahl zugeordneten Mandate werden schließlich für die Einheiten, denen die einzelnen Höchstzahlen jeweils zugehörig sind, aufsummiert und den betreffenden Einheiten jeweils in der Summe zugeteilt, sodass in dem Beispiel auf A sechs, auf B fünf und auf C zwei Mandate entfallen.

Das Beispiel zeigt auch, dass mehreren Parteien identische Höchstzahlen zugeordnet sein können. Das geschieht, wenn die Zahl einer Einheit ein Vielfaches der Zahl einer anderen Einheit mit einem der Divisoren ist. Wenn das geschieht und wenn es für die Mandatszuteilung relevant ist, entscheidet bei Bundestagwahlen das Los. Dass das geschieht ist bei Bundestagswahlen aber sehr unwahrscheinlich, weil die Dividenden in der Regel mindestens fünfstellige Zahlen sind.

In der Prozedur der Mandatszuteilung bei Bundestagswahlen kommt das Sainte Laguë-Verfahren in der eben beschriebenen Form an mehreren Stellen und bezogen auf mehrere unterschiedliche Einheiten und Zahlen zum Einsatz, und zwar bezogen auf Bundesländer und ihre Bevölkerungszahlen im Verhältnis zueinander, einzelne Landeslisten der Bundestagsparteien innerhalb der Bundesländer im Verhältnis zueinander und Landeslisten jeder einzelnen Bundestagspartei und deren Verhältnis untereinander.

Wenn nicht bekannt ist, wie viele Mandate insgesamt zuzuteilen sind, kann das Sainte Laguë-Verfahren unter zwei Voraussetzungen ebenfalls eingesetzt werden. Diese Voraussetzungen sind 1), dass das letzte zuzuteilende Mandat einer der Einheit A zugehörigen Höchstzahl zugeordnet ist und, 2) dass bekannt ist, dass dieser Einheit A insgesamt die Summe von K Mandaten zuzuteilen ist. Unter der Voraussetzung 1) ist der Einheit A auch die Kleinste Höchstzahl zugehörig. Folglich muss jeder größeren einer jeden Einheit zugehörigen Höchstzahl ebenfalls ein Mandat zugeordnet sein. Die Summen dieser Mandate sind dann den jeweiligen Einheiten zuzuteilen. Die Summe dieser Summen wiederum ist schließlich die insgesamt zuzuteilende Mandatszahl. Das Sainte Laguë-Verfahren lässt sich dann also gewissermaßen in umgekehrter Abfolge durchführen, "invertiert": ausgehend von dem Mandat, das bei dem oben beschriebenen Verfahren als Letztes zugeteilt wird.

Dieses letzte Mandat ist der Kleinsten Höchstzahl HA zugeordnet (laut Voraussetzung 1). Diese Höchstzahl wiederum muss der Quotient aus der Zahl ZA der Einheit A und dem Divisor DK sein, also dem Divisor, mit dem die Kleinste Höchstzahl als Quotient mit der Stimmenzahl ZA der Einheit A berechnet wird. Es ist hierzu bekannt (laut Voraussetzung 2), dass der Einheit A insgesamt K Mandate zuzuteilen sind. Mit Blick auf die Gleichung (1) zur Berechnung der Divisoren für eine Einheit - DN=2*(N-1)+1 - ist dadurch klar, welchen Wert N hier hat, denn dieser Wert muss identisch sein mit der Summe der dieser Einheit insgesamt zuzuteilenden Mandate. Es gilt hier also N=K. Folglich kann der Divisor DK zur Ermittlung der Höchstzahl HA durch Einsetzen von K in N in diese Gleichung berechnet werden, also:

(2) DK = 2 * (K-1) + 1 = 2K - 1

Mit diesem Divisor DK wird dann die Kleinste Höchstzahl als Quotient HA aus der Stimmenzahl ZA als Dividend und eben DK als Divisor berechnet. Es lässt sich also schreiben:

(3) HA = ZA/DK = ZA/(2K-1).

Allen im Vergleich zu HA größeren Höchstzahlen einer beliebigen anderen Einheit B ist ebenfalls je ein Mandat zuzuordnen, denn HA ist ja die Kleinste Höchstzahl. Diese größeren Höchstzahlen sind zunächst unbekannt. Aber es muss für die kleinste Höchstzahl HB dieser größeren Höchstzahlen gelten:

(4) HB > HA.

HB ist der Quotient aus der mit der Einheit B verbundenen Zahl ZB mit einem Divisor DM. Auch für HB gilt also der Zusammenhang aus Gleichung (2):

(5) HB = ZB/DM.

ZB ist stets bekannt, z.B. als Zweitstimmenzahl einer Partei in einem Bundesland, die in Mandate umgerechnet werden soll. Zudem liegt nun ein Gleichungssystem mit weniger Unbekannten als Gleichungen vor, also eines, das eindeutig lösbar ist. Wenn demnach der Divisor DM ermittelt ist, kann durch Umstellen der Gleichung (1) zur Divisorermittlung berechnet werden, wie viele Mandate insgesamt der Einheit B zuzuteilen sind. Denn der dortige Wert von N entspricht dann genau der Anzahl M derjenigen der Einheit B laut Divisor DM zugehörigen Höchstzahlen, denen je ein Mandat zuzuteilen ist. Ausgehend von dieser Überlegung geht es nun nur noch um das Einsetzen und Umstellen, sodass eine Gleichung resultiert, mit der M durch bekannte Werte dargestellt werden kann. Einziger außer M unbekannter Wert ist der Wert von DM. Dieser muss also zuerst aus den übrigen, bekannten Werten heraus erklärt werden. Einsetzen für HA aus Gleichung (3) in die Ungleichung (4) ergibt dafür zunächst:

(6) HB > ZA/(2K-1).

Einsetzen für HB gemäß Gleichung (5) in Ungleichung (6) ergibt:

(7) ZB/DM > ZA/(2K-1).

Für den Divisor DM muss nach einigem Umstellen von Gleichung (7) also gelten:

(8) DM < (2K-1) * ZB/ZA.

Da Divisoren im Sainte Laguë-Verfahren immer ungerade ganze Zahlen sind, muss das Ergebnis aus Ungleichung (8) auf die nächste ungerade natürliche Zahl gerundet werden, und zwar laut Ungleichheitszeichen durch Abrunden. Daraus resultiert der Wert von DM.

(9) DM = ⌊(2K-1) * ZB/ZA⌋, sodass DM = 2*m - 1, mit m ∈ ℕ.

Nachdem DM vollständig durch bekannte Werte erklärt ist, wird nun noch M durch bekannte Werte ausgedrückt. Dafür wird nun zuerst die Gleichung (1) für den Divisor DM der Zahl ZB der Einheit B formuliert:

(10) DM = 2 * (M-1) + 1 = 2M - 1

und der Befund für DM aus Gleichung (9) in Gleichung (10) eingesetzt:

(11) ⌊(2K-1) * ZB/ZA⌋ = 2M - 1, wobei gilt: ⌊(2K-1)*ZB/ZA⌋ = 2*m -1, mit m ∈ ℕ

sowie schließlich nach M umgestellt:

(12) M = {⌊(2K-1) * ZB/ZA⌋ + 1}/2, wobei gilt: ⌊(2K-1)*ZB/ZA⌋ = 2*m - 1, mit m ∈ ℕ.

Da auf der rechten Seite von Gleichung (12) im Term ⌊(2K-1)*ZB/ZA)⌋ stets eine ungerade natürliche Zahl gebildet wird - vgl. Gleichung (9) - und davon der Wert 1 abgezogen wird, erscheint auf der rechten Seite über dem Bruchstrich immer eine gerade natürliche Zahl. Daher ergibt Teilen durch den Wert 2 - unter dem Bruchstrich - auf der rechten Seite immer eine gerade oder ungerade natürliche Zahl. Diese Zahl ist Anzahl der Mandate, die der Einheit B insgesamt zuzuteilen sind.

Gleichung (12) bringt das Invertierte Sainte Laguë-Verfahren zum Ausdruck. Es muss für jede Einheit durchgeführt werden, der Mandate zugeteilt werden könnten. Da dieses Verfahren sich auf die Zahl ZA und den Divisor DK der Einheit A beziehen - also an ihr "verankert" sind, wird die Einheit A auf dieser Web-Site "Ankereinheit" oder "Ankerpartei" genannt. Ein Anwendungsbeispiel für das Invertierte Sainte Laguë-Verfahren findet sich unten bei der Darstellung zur Oberverteilung.

Prozedur der Mandatszuteilung von Listenmandaten

Die Zuteilung von Listenmandaten bei Bundestagswahlen erfolgt in zwei Stufen. In der ersten Stufe wird die minimale Anzahl der Mandate für jede Partei ermittelt. Das ist die "Mindestsitzzahl". In der zweiten Stufe wird auf Grundlage der Mindestsitzzahlen die endgültige Mandatszuteilung an die Parteien bundesweit (Oberverteilung) und in den Bundesländern (Unterverteilung) vorgenommen.

Diese beiden Stufen bestehen wiederum jeweils aus mehreren Schritten. Abgesehen vom letzten Schritt werden dabei stets nur Ansprüche auf Listenmandate ermittelt. Diese Ansprüche können für die einzelnen Parteien in den einzelnen Ländern von Schritt zu Schritt steigen oder fallen. Erst im letzten Schritt der letzten Stufe werden Listenmandate den Landeslisten der Parteien in den Bundesländern zugeteilt. Im Folgenden werden erst die Schritte dorthin nacheinander dargestellt. Anschließend wird erklärt, wie es zu Überhang- und Ausgleichsmandaten im Sinne dieser Website kommt.

Erste Stufe, erster Schritt: Kontingentierung nach Bevölkerungszahl der Länder
In der Ersten Stufe werden im ersten Schritt noch vor der Wahl insgesamt 598 Mandate auf die 16 Bundesländer verteilt. Das Kriterium für die Zuteilung der Mandate ist der Anteil der deutschen Bevölkerung eines Bundeslands. Wie überall sonst bei der Zuteilung von Mandaten im Verhältnis im Bundestagswahlrecht wird dafür das Sainte Laguë-Verfahren eingesetzt. Daraus ergaben sich für die Bundestagswahl 2013 die Mandatskontingente, wie sie in Tabelle 1 dargestellt sind. Dort war die 598-höchste Höchstzahl als kleinste Höchstzahl, der noch ein Mandat zugeordnet wurde, die Zahl 62039,7. Das war die 92te dem Bundesland Bayern als zugehörige vermerkte Höchstzahl. Folglich umfasste das Mandatskontingent für Bayern in der ersten Stufe 92 Mandate. Entsprechend war z.B. die 597-höchste Höchstzahl die Zahl 62252,3 - die 30st-höchste dem Bundesland Rheinland-Pfalz als zugehörig vermerkte Höchstzahl. Folglich wurden den Mandatskontingent für Rheinland-Pfalz 30 Mandate zugeteilt. Auf die gleiche Weise wurde für alle anderen 14 Bundesländer vorgegangen.

Tabelle 1: Mandatskontingente der Länder nach dem ersten Schritt der Ersten Verteilungsstufe bei der Bundestagswahl 2013

  Bundesland   BB BE BW BY HB HE HH MV NI NW RP SH SL SN ST TH   Rang/  
  Bevölkerung   2418267 3025288 9482902 11353264 575805 5388350 1559655 1585032 7354892 15895182 3672888 2686085 919402 4005278 2247673 2154202   Mandate  
        Höchstzahlen      
  Divisoren 1   2418267,0 3025288,0 9482902,0 11353264,0 575805,0 5388350,0 1559655,0 1585032,0 7354892,0 15895182,0 3672888,0 2686085,0 919402,0 4005278,0 2247673,0 2154202,0   1  
  3   806089,0 1008429,3 3160967,3 3784421,3 191935,0 1796116,7 519885,0 528344,0 2451630,7 5298394,0 1224296,0 895361,7 306467,3 1335092,7 749224,3 718067,3   2  
  5   483653,4 605057,6 1896580,4 2270652,8 115161,0 1077670,0 311931,0 317006,4 1470978,4 3179036,4 734577,6 537217,0 183880,4 801055,6 449534,6 430840,4   3  
  7   345466,7 432184,0 1354700,3 1621894,9 82257,9 769764,3 222807,9 226433,1 1050698,9 2270740,3 524698,3 383726,4 131343,1 572182,6 321096,1 307743,1   4  
  9   268696,3 336143,1 1053655,8 1261473,8 63978,3 598705,6 173295,0 176114,7 817210,2 1766131,3 408098,7 298453,9 102155,8 445030,9 249741,4 239355,8   5  
  11   219842,5 275026,2 862082,0 1032114,9 52345,9 489850,0 141786,8 144093,8 668626,5 1445016,5 333898,9 244189,5 83582,0 364116,2 204333,9 195836,5   6  
  13   186020,5 232714,5 729454,0 873328,0 44292,7 414488,5 119973,5 121925,5 565760,9 1222706,3 282529,8 206621,9 70723,2 308098,3 172897,9 165707,8   7  
  15   161217,8 201685,9 632193,5 756884,3 38387,0 359223,3 103977,0 105668,8 490326,1 1059678,8 244859,2 179072,3 61293,5 267018,5 149844,9 143613,5   8  
       
  25   96730,7 121011,5 379316,1 454130,6 23032,2 215534,0 62386,2 63401,3 294195,7 635807,3 146915,5 107443,4 36776,1 160211,1 89906,9 86168,1   13  
  27   89565,4 112047,7 351218,6 420491,3 21326,1 199568,5 57765,0 58704,9 272403,4 588710,4 136032,9 99484,6 34051,9 148343,6 83247,1 79785,3   14  
       
  33   73280,8 91675,4 287360,7 344038,3 17448,6 163283,3 47262,3 48031,3 222875,5 481672,2 111299,6 81396,5 27860,7 121372,1 68111,3 65278,8   17  
  35   69093,3 86436,8 270940,1 324379,0 16451,6 153952,9 44561,6 45286,6 210139,8 454148,1 104939,7 76745,3 26268,6 114436,5 64219,2 61548,6   18  
  37   65358,6 81764,5 256294,6 306845,0 15562,3 145631,1 42152,8 42838,7 198780,9 429599,5 99267,2 72596,9 24848,7 108250,8 60747,9 58221,7   19  
  39   62006,8 77571,5 243151,3 291109,3 14764,2 138162,8 39991,2 40641,8 188587,0 407568,8 94176,6 68874,0 23574,4 102699,4 57632,6 55235,9   20  
  41   58982,1 73787,5 231290,3 276908,9 14044,0 131423,2 38040,4 38659,3 179387,6 387687,4 89582,6 65514,3 22424,4 97689,7 54821,3 52541,5   21  
  43   56238,8 70355,5 220532,6 264029,4 13390,8 125310,5 36271,0 36861,2 171044,0 369655,4 85416,0 62467,1 21381,4 93146,0 52271,5 50097,7   22  
  45   53739,3 67228,6 210731,2 252294,8 12795,7 119741,1 34659,0 35222,9 163442,0 353226,3 81619,7 59690,8 20431,2 89006,2 49948,3 47871,2   23  
  47   51452,5 64367,8 201763,9 241558,8 12251,2 114645,7 33184,1 33724,1 156487,1 338195,4 78146,6 57150,7 19561,7 85218,7 47822,8 45834,1   24  
  49   49352,4 61740,6 193528,6 231699,3 11751,1 109966,3 31829,7 32347,6 150099,8 324391,5 74956,9 54818,1 18763,3 81740,4 45870,9 43963,3   25  
       
  59   40987,6 51276,1 160727,2 192428,2 9759,4 91328,0 26434,8 26864,9 124659,2 269409,9 62252,3 45526,9 15583,1 67886,1 38096,2 36511,9   30  
  61   39643,7 49594,9 155457,4 186119,1 9439,4 88333,6 25568,1 25984,1 120572,0 260576,8 60211,3 44034,2 15072,2 65660,3 36847,1 35314,8   31  
  63   38385,2 48020,4 150522,3 180210,5 9139,8 85529,4 24756,4 25159,2 116744,3 252304,5 58299,8 42636,3 14593,7 63575,8 35677,3 34193,7   32  
  65   37204,1 46542,9 145890,8 174665,6 8858,5 82897,7 23994,7 24385,1 113152,2 244541,3 56506,0 41324,4 14144,6 61619,7 34579,6 33141,6   33  
       
  85   28450,2 35591,6 111563,6 133567,8 6774,2 63392,4 18348,9 18647,4 86528,1 187002,1 43210,4 31601,0 10816,5 47120,9 26443,2 25343,6   43  
  87   27796,2 34773,4 108998,9 130497,3 6618,4 61935,1 17927,1 18218,8 84539,0 182703,2 42217,1 30874,5 10567,8 46037,7 25835,3 24760,9   44  
       
  117   20668,9 25857,2 81050,4 97036,4 4921,4 46054,3 13330,4 13547,3 62862,3 135856,3 31392,2 22958,0 7858,1 34233,1 19210,9 18412,0   59  
  119   20321,6 25422,6 79688,3 95405,6 4838,7 45280,3 13106,3 13319,6 61805,8 133573,0 30864,6 22572,1 7726,1 33657,8 18888,0 18102,5   60  
       
  151   16015,0 20035,0 62800,7 75187,2 3813,3 35684,4 10328,8 10496,9 48707,9 105266,1 24323,8 17788,6 6088,8 26525,0 14885,3 14266,2   76  
  153   15805,7 19773,1 61979,8 74204,3 3763,4 35218,0 10193,8 10359,7 48071,2 103890,1 24005,8 17556,1 6009,2 26178,3 14690,7 14079,8   77  
       
  183   13214,6 16531,6 51819,1 62039,7 3146,5 29444,5 8522,7 8661,4 40190,7 86858,9 20070,4 14678,1 5024,1 21886,8 12282,4 11771,6   92  
  185   13071,7 16352,9 51258,9 61369,0 3112,5 29126,2 8430,6 8567,7 39756,2 85919,9 19853,4 14519,4 4969,7 21650,2 12149,6 11644,3   93  
       
  255   9483,4 11863,9 37187,9 44522,6 2258,1 21130,8 6116,3 6215,8 28842,7 62334,0 14403,5 10533,7 3605,5 15707,0 8814,4 8447,9   128  
  257   9409,6 11771,5 36898,5 44176,1 2240,5 20966,3 6068,7 6167,4 28618,3 61849,0 14291,4 10451,7 3577,4 15584,7 8745,8 8382,1   129  
  Mandate pro Land 17 23 76 92 5 43 13 13 59 128 30 21 7 32 18 17   598  
Fett: mindestens 598-höchste Höchstzahl unter allen Höchstzahlen

Erste Stufe, zweiter Schritt: Ermittlung der Mindestsitzzahlen für die Parteien
Im zweiten Schritt der ersten Stufe erhalten die Bundestagsparteien von jedem der 16 Mandatskontingente einen Anspruch auf so viele Mandate, wie es ihrem Stimmenanteil bei der Wahl bezogen auf die Stimmen aller Bundestagsparteien im jeweiligen Bundesland entspricht. Erzielt eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate als es ihrem Mandatsanspruch laut diesem Stimmenanteil entspricht, dann erhält sie dort stattdessen einen Mandatsanspruch in Höhe der Anzahl dieser Direktmandate. In Tabelle 2 ist das für das Beispiel des Mandatskontingents für Mecklenburg-Vorpommern bei der Bundestagswahl 2017 dargestellt. Von den Bundestagsparteien, also den Parteien, die an der Mandatszuteilung von Listenmandaten teilnehmen, erzielte die CDU mit sechs Direktmandate zwei Mandate mehr als ihr laut ihrem Stimmenanteil im Kontingent von Mecklenburg-Vorpommern zugestanden hätten. Also erzielte sie für Mecklenburg-Vorpommern einen Mandatsanspruch von sechs und nicht von vier Mandaten.

Tabelle 2: Ermittlung der Mandatsansprüche der Bundestagsparteien nach dem zweiten Schritt der Ersten Verteilungsstufe bei der Bundestagswahl 2017 für Mecklenburg-Vorpommern
  CDU Die Linke. SPD AfD B.90/Grüne NPD FDP FW MLPD BGE ÖDP DPart Tierschutz  
Zweitstimmen 307263 165368 139689 172409 39514 10408 57895 7543 1366 3034 1205 9309 12507  
davon für Bundestagsparteien 307263 165368 139689 172409 39514 - 57895 - - - - - -  
Divisor (Mandat 1): 1 307263,0 165368,0 139689,0 172409,0 39514,0 - 57895,0 - - - - - -  
Divisor (Mandat 2): 3 102421,0 55122,7 46563,0 57469,7 13171,3 - 19298,3 - - - - - -  
Divisor (Mandat 3): 5 61452,6 33073,6 27937,8 34481,8 7902,8 - 11579,0 - - - - - -  
Divisor (Mandat 4): 7 43894,7 23624,0 19955,6 24629,9 5644,9 - 8270,7 - - - - - -  
Divisor (Mandat 5): 9 34140,3 18374,2 15521,0 19156,6 4390,4 - 6432,8 - - - - - -  
1) Mandatsanspruch laut Höchstzahlen 4 2 2 3 1 - 1 - - - - - -  
2) Direktmandate 6 0 0 0 0 - 0 - - - - - -  
Maximum von 1) und 2) 6 2 2 3 1 - 1 - - - - - -  


Am Ende der ersten Stufe werden für jede Bundestagspartei ihre Mandatsansprüche aus den Mandatskontingenten aufsummiert. Diese Summen sind die "Mindestsitzzahlen" jeder Partei: Jede Partei hat einen Anspruch auf mindestens so viele Mandate, wie es ihrer Mindestsitzzahl entspricht. In Tabelle 3 sind dazu als Beispiel die Mandatsansprüche aller Bundestagsparteien bei der Wahl 2017 aus den Mandatskontingenten der Bundesländer laut dem zweiten Schritt der ersten Verteilungsstufe dargestellt. Als Summe dieser Ansprüche erzielte z.B. die CDU eine Mindestsitzzahl von 200.

Tabelle 3: Mindestsitzzahlen bei der Bundestagswahl 2017
Bundesland Insgesamt   CDU   SPD   AfD   FDP   Die Linke.   B.90/Grüne   CSU  
  Stimmen Kontingent Vergeben   S M   S M   S M   S M   S M   S M   S M  
BB 1321970 20 23   397839 9   261822 4   301103 4   105485 1   255721 4   74971 1   - -  
BE 1501960 24 24   424321 6   334253 5   225170 3   167046 2   351170 5   234947 3   - -  
BW 4917291 76 87   2061687 38   982370 13   730499 10   762008 10   380727 5   807205 11   - -  
BY 3249282 93 100   - -   1130931 15   916300 13   751248 10   450803 6   722116 10   2869688 46  
HB 281282 5 6   83409 1   88944 2   33244 1   31056 0   44629 1   36733 1   - -  
HE 2878239 43 46   1033200 17   788427 11   398712 5   386742 5   271158 4   323736 4   - -  
HH 797371 12 14   266312 3   229862 5   76511 1   105610 1   119076 2   136371 2   - -  
MV 842624 13 15   307263 6   139689 2   172409 3   57895 1   165368 2   39514 1   - -  
NI 4075399 59 59   1623481 21   1275172 17   422362 6   431405 6   322979 4   404825 5   - -  
NW 8730270 128 128   3214013 43   2557876 35   928425 13   1293052 17   736904 10   744970 10   - -  
RP 2090356 30 33   848003 14   570518 8   265688 4   245235 3   160912 2   179233 2   - -  
SH 1464524 22 25   583135 10   399505 5   140362 2   216844 3   124678 2   205471 3   - -  
SL 527313 7 8   189573 3   158895 2   58920 1   44477 1   75448 1   35117 0   - -  
SN 2199085 32 35   665751 12   261105 4   669940 9   203662 3   398627 5   113608 2   - -  
ST 1128205 17 21   377411 9   188980 3   244401 4   96555 1   220858 3   46243 1   - -  
TH 1156700 17 20   372258 8   171032 3   294069 4   101129 1   218212 3   53340 1   - -  
Summe bzw. Mindestsitzzahlen 37161871 598 644   12447656 200   9539381 134   5878115 83   4999449 65   4297270 59   4158400 57   2869688 46  


An dieser Stelle zeigt sich bereits, dass es zu durch die Verwendung der in einem Bundesland erzielten Direktmandate als deren Mandatsanspruch im zweiten Schritt der ersten Stufe zu einer beträchtlichen Vergrößerung des Bundestags kommen kann. Die Mindestsitzzahlen einiger Bundestagsparteien übertrafen z.B. 2017 die ihnen ohne Berücksichtigung der Direktmandate an diesem Punkt sonst zustehenden Mandatsansprüche teils beträchtlich - für die CDU um 34, für die CSU um 7 und für die SPD noch um 3. Insgesamt wäre bereits hier, also wenn der Bundestag nur auf die Höhe der Mindestsitzzahlen aller Bundestagsparteien vergrößert werden würde, 644 statt 598 Mandate vergeben worden, soweit also ein Anstieg um 46 Mandate.

In der Zweiten Verteilungsstufe werden zuerst die Oberverteilung vorgenommen (erster Schritt) und danach die Unterverteilung (zweiter Schritt).

Zweite Stufe, erster Schritt: Oberverteilung
Es ist möglich, dass die Mindestsitzzahlen für jede Bundestagspartei jeweils einen Mandatsanspruch genau entsprechend dem Verhältnis ihrer bundesweiten Zweitstimmen zu den bundesweiten Zweitstimmen aller anderen Bundestagsparteien ergeben. Dann ist die Oberverteilung der Bundestagsmandate auf die Bundestagsparteien identisch mit ihren Mindestsitzzahlen. In diesem Fall werden insgesamt nur so viele Mandate vergeben, wie es der Summe der Mindestsitzzahlen entspricht (dies können bereits mehr als die gesetzlich vorgesehenen 598 Mandate sein, vgl. oben).

In der Regel ist die Mindestsitzzahl mindestens einer Bundestagspartei aber höher als es diesem Verhältnis entspricht. Wie eben schon gesehen, kann dies durch überproportional viele Direktmandate von Bundestagsparteien in den Bundesländern zustande kommen. Aber es gibt noch eine Reihe weiterer Gründe für solche Verzerrungen. Sie kommen durch die Festlegung der Mandatskontingente der Länder zu einem Zeitpunkt vor der Wahl auf der einen Seite und Unterschieden zwischen Ländern vor der Wahl und bei der Wahl auf der anderen Seite zustande. Generell unterscheidet sich z.B. über die Länder hinweg der Anteil der Wahlberechtigten an der deutschen Bevölkerung weil die Altersstruktur und damit der Anteil der Über-18-Jährigen von Bundesland zu Bundesland verschieden sind. Bei der Wahl selbst unterscheidet sich aber auch das Wahlverhalten. So variieren der Anteil der Wählenden an den Wahlberechtigten und der Anteil ungültiger Stimmen an den abgegebenen Stimmen von Bundesland zu Bundesland. Dadurch sind bereits die Anteile der insgesamt pro Bundesland zu gültigen Zweitstimmen an allen Zweitstimmen ebenfalls anders als der jeweilige Anteil der Bundesländer an der deutschen Bevölkerung. Außerdem fallen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich hohe Anteile der gültigen Stimmen für den zweiten Schritt der ersten Stufe weg, je nachdem, wie viele Stimmen im einzelnen Bundesland auf Parteien entfallen sind, die nicht an der Mandatszuteilung teilnehmen. Durch diese verschiedenen Ursachen, deren Wirkungen sich wiederum gegenseitig verstärken oder abschwächen können, können die Mandatsansprüche der Bundestagsparteien an den einzelnen Mandatskontingenten beträchtlich von Werten abweichen, die den jeweiligen Zweitstimmenanteilen im bundesweiten Verhältnis entsprechen würden. Die Mindestsitzzahlen der einzelnen Bundestagsparteien als Summe dieser Mandatsansprüche können daher sowohl niedriger als auch höher sein, als es ihrem bundesweiten Zweitstimmenanteil bezogen auf die jeweils anderen Bundestagsparteien entspricht. Aber wenn bereits bei einer von ihnen die Mindestsitzzahl dafür zu niedrig ist, dann muss sie für mindestens eine andere Partei zu hoch sein. Enstprechend müssen die Mandate laut Mindestsitzahlen typischer Weise durch weitere Mandate ausgeglichen werden. Der im folgenden beschriebene Weg zur Oberverteilung ist daher der Regelfall (und nicht die Übernahme der Mindestsitzzahlen für die Oberverteilung). Der dort erfolgende Ausgleich durch zusätzliche Mandate ist auch die mechanische Ursache für die Vergrößerung des Bundestags über die gesetzliche Mandatszahl von 598 hinaus. Da es im Regelfall zu ihm kommt, kommt es im Regelfall auch zur Bundestagsvergrößerung. Unterschiedlich ist von Wahl zu Wahl in der Regel nur der Umfang dieser Vergrößerung.

Nun ist einerseits jeder Bundestagspartei ihre Mindestsitzzahl als Mandatsanspruch garantiert. Andererseits müssen die Mandatsansprüche aller Bundestagsparteien in der Oberverteilung zudem so festgesetzt sein, dass sie dem Verhältnis der bundesweiten Stimmenzahlen der Bundestagsparteien zueinander entsprechen. Also muss zuerst ermittelt werden, welche Bundestagspartei mit Blick auf ihre Mindestsitzzahl am meisten überrepräsentiert ist, mit dieser Mindestsitzzahl also den am meisten über dieses Verhältnis hinausgehenden Mandatsanspruch erzielt hat. Anschließend müssen die Mandatsansprüche der übrigen Bundestagsparteien so sehr über ihre jeweiligen Mindestsitzzahlen hinaus erhöht werden, dass diese Mandatsansprüche im Verhältnis zu der laut ihrer Mindestsitzzahl am meisten überrepräsentierten Partei stehen. Die Mindestsitzzahl der am meisten überrepräsentierten Bundestagspartei bestimmt also die Mandatsansprüche aller anderen Bundestagsparteien. Sie wird deshalb hier "Ankerpartei" genannt.

Aus Sicht des Sainte Laguë-Verfahrens bedeutet das, dass der Ankerpartei das letzte zu vergebende Mandat zugeteilt wird. Auch die Anzahl der Mandate der Ankerpartei ist bekannt - es ist eben ihre Mindestsitzzahl. Folglich sind beide Voraussetzungen für die Anwendung des Invertierten Sainte Laguë-Verfahrens erfüllt, mit der Ankerpartei als Einheit A (vgl. oben). Für die Berechnung der Oberverteilung aller Bundestagsparteien B (also für alle Bundestagsparteien außer der Ankerpartei, für die ja schon die Mindestsitzzahl den Mandatsanspruch ergibt) kann folglich die Gleichung (12) benutzt werden, also

(12) M = {⌊(2K-1) * ZB/ZA⌋ + 1}/2, wobei gilt: ⌊(2K-1)*ZB/ZA⌋ = 2*m - 1, mit m ∈ ℕ.

Dort steht M für die Höhe des Mandatsanspruchs der jeweiligen Partei B, K für die Mindestsitzzahl der Ankerpartei A, ZA für die bundesweite Zweitstimmenanzahl der Ankerpartei A und ZB die bundesweite Zweitstimmenanzahl der jeweiligen Partei B.

Um in Gleichung (12) Werte einsetzen zu können, muss zuerst ermittelt, welche Bundestagspartei die Ankerpartei ist. So wird auch geklärt, welche Mindestsitzzahl für K und welche Stimmenzahl für ZA einzusetzen sind. Dies lässt sich durch die Bestimmung der Kleinsten Höchstzahl HA tun, denn die Bundestagspartei, der diese Höchstzahl zugehört, ist die Ankerpartei A. HA wiederum wird in der Gleichung (3) definiert:

(3) HA = ZA/DK = ZA/[2*(K - 1) + 1] = ZA/(2K-1).

Dort bezeichnet DK den Divisor, zu dem die kleinste Höchstzahl HA, der ein Mandat zugeordnet ist, der Quotient bezogen auf die Zweistimmenzahl ZA der Ankerpartei ist. Bei insgesamt K Mandaten der Ankerpartei A lässt sich erst einmal allgemein für eine beliebige Bundestagspartei i mit der bundesweiten Zweitstimmenzahl Zi für die kleinste ihr zugehörige Höchstzahl Hi, der ein Mandat laut ihrer Mindestsitzzahl Si zuzuteilen ist, schreiben:

(13) Hi = Zi/(2Si-1).

Von allen Höchstzahlen Hi ist HA dann die kleinste Zahl der für jede Bundestagspartei durch Einsetzen für Zi und Si ermittelten Werte für Hi. Folglich ist die Bundestagspartei, der diese Höchstzahl zugehörig ist, die Ankerpartei. Ein Beispiel für die Ermittlung der Ankerpartei auf diese Weise bei der Bundestagswahl 2017 findet sich in Tabelle 4.

Tabelle 4: Ermittlung der Mandatsansprüche der Bundestagsparteien nach dem ersten Schritt der Zweiten Verteilungsstufe (Oberverteilung) bei der Bundestagswahl 2017
    Ankerpartei   CDU   SPD   AfD   FDP   Die Linke.   B.90/Grüne   CSU   Insgesamt  
1) zum Vergleich: Verteilung, wenn nur die bundesweiten Zweitstimmen gelten würden   168   129   80   68   58   56   39   598  
2) Bestimmung der Ankerpartei                                      
Mindestsitze Si       200   134   83   65   59   57   46   644  
Bundesweite Zweitstimmen Zi       12447656   9539381   5878115   4999449   4297270   4158400   2869688      
folglich Höchstzahl Hi (Gleichung 13)       31197,13   35728,02   35624,94   38755,42   36728,80   36800,00   31535,03      
darunter Kleinste Höchstzahl HA   31197,13                                  
folglich Ankerpartei   CDU                                  
3) Oberverteilung                                      
Mindestsitzzahl K der Ankerpartei   200                                  
Stimmenzahl ZA der Ankerpartei   12447656                                  
folglich Oberverteilung entlang HA, ZA und je Zi (Gleichung 12)       200   153   94   80   69   67   46   709  
zum Vergleich: Erhöhung Verteilung laut 1) -> Mindestsitzzahl (%)   16,0   3,7   3,6   -4,6   1,7   1,8   15,2   7,1  
zum Vergleich: Erhöhung Mindestsitzzahl -> Mandatsanspruch (%)   0,0   12,4   11,7   18,8   14,5   14,9   0,0   9,2  


Bei der Bundestagswahl 2017 war laut Tabelle 4 die CDU die Ankerpartei. Ihre Mindestsitzzahl von 200 ergab entsprechend direkt ihren Mandatsanspruch in der Oberverteilung. Der Mandatsanspruch M für jede andere Bundestagspartei ließ sich deshalb entlang Gleichung (12) durch Einsetzen der CDU-Mindestsitzzahl im Wert von 200 für K, der CDU-Zweitstimmen im Wert von 12.447.656 für ZA und der jeweiligen eigenen Zweitstimmenzahl für ZB ermitteln.

Tabelle 4 zeigt auch die schrittweise Erhöhung der Mandatsansprüche über die gesetzliche Zahl von 598 hinaus. Bereits die Mindestsitzzahlen übertrafen sie in der Summe bei der Wahl 2017 schon um 46. Allein ihre Garantie sorgte also schon für eine Vergrößerung des Bundestags um rund 7,5 Prozent. Die Herstellung des korrekten Verhältnisses zwischen Zweitstimmen und Mandatsansprüchen in der Oberverteilung erbrachte dann eine Vergrößerung um weitere 65 Mandate, also noch einmal um 10,9 Prozent. Dies lag aber nicht nur daran, dass die Ankerpartei eine höhere Mindestsitzzahl als diesem Verhältnis entsprechend erzielte. Sondern spiegelbildlich mussten auch noch die Mandatsansprüche derjenigen Parteien zusätzlich erhöht werden, deren Mindestsitzzahl niedriger lag, als es ihrem Verhältnis zur gesetzlichen Mandatszahl entsprach. So lag z.B. bei der Bundestagswahl 2017 die Mindestsitzzahl der FDP dafür um 3 zu niedrig.

Zweite Stufe, zweiter Schritt: Unterverteilung
Nun werden die Mandatsansprüche der Bundestagsparteien laut Oberverteilung den einzelnen Landeslisten dieser Parteien unter Berücksichtigung deren jeweiliger Direktmandate im Bundesland zugewiesen. Das ist die Unterverteilung. Hierfür wird vom Mandatsanspruch jeder Bundestagspartei zuerst die Summe ihrer Direktmandate abgezogen. Die verbleibende Differenz wird hier "Listenmandatsanspruch" genannt. Nur der Listenmandatsanspruch einer Bundestagspartei wird ihren Landeslisten als Listenmandate zugeteilt. Das geschieht so, dass jeder von ihnen möglichst genau so viele Mandate zugewiesen werden, wie es zusammen mit den Direktmandaten dem Stimmenanteil der Partei im Land an allen Stimmen der Partei bundesweit entspricht.

Auch die Unterverteilung der Mandate innerhalb der Bundestagsparteien wird mit dem Sainte Laguë-Verfahren berechnet, aber eben mit vorheriger Berücksichtigung der Direktmandate. Zuerst werden dafür für alle Landeslisten einer Partei die Höchstzahlen ihrer jeweiligen Zweitstimmen ermittelt. Anschließend werden so viele Höchstzahlen einer Landesliste gestrichen, wie die jeweilige Partei Direktmandate im Bundesland erzielt hat. Nur die jeweils übrigen, kleineren, Höchstzahlen werden für den Listenmandatsanspruch berücksichtigt. Für diese Höchstzahlen kommt das Sainte Laguë-Verfahren wie oben beschrieben zur Anwendung, bis der Listenmandatsanspruch komplett aufgebraucht ist.

Es kann sein, dass die Unterverteilung für eine Partei nach dieser Prozedur auch das Verhältnis ihrer Zweitstimmen nach Bundesländern abbildet. So ist es generell aber nur bei Parteien, die überhaupt keine Direktmandate erzielt haben. Dann werden ja überhaupt keine Direktmandate vom Mandatsanspruch abgezogen. Folglich ist der Listenmandatsanspruch dann identisch mit dem Mandatsanspruch, sodass alle Mandate der Partei per Sainte Laguë-Verfahren zugeteilt werden. Sie sind dann zwingend im Verhältnis der Zweitstimmen in den Ländern verteilt. Das ist als Beispiel für die FDP bei der Bundestagswahl 2017 in Tabelle 5 dargestellt.

Tabelle 5: Unterverteilung der Mandate der FDP bei der Bundestagswahl 2017
  Bundesland   BB BE BW BY HB HE HH MV NI NW RP SL SH SN ST TH   Insgesamt
  Zweitstimmen   105485 167046 762008 751248 31056 386742 105610 57895 431405 1293052 245235 44477 216844 203662 96555 101129   4999449  
        Höchstzahlen      
  Divisoren 1   105485,0 167046,0 762008,0 751248,0 31056,0 386742,0 105610,0 57895,0 431405,0 1293052,0 245235,0 44477,0 216844,0 203662,0 96555,0 101129,0      
  3   35161,7 55682,0 254002,7 250416,0 10352,0 128914,0 35203,3 19298,3 143801,7 431017,3 81745,0 14825,7 72281,3 67887,3 32185,0 33709,7      
  5   21097,0 33409,2 152401,6 150249,6 6211,2 77348,4 21122,0 11579,0 86281,0 258610,4 49047,0 8895,4 43368,8 40732,4 19311,0 20225,8      
  7   15069,3 23863,7 108858,3 107321,1 4436,6 55248,9 15087,1 8270,7 61629,3 184721,7 35033,6 6353,9 30977,7 29094,6 13793,6 14447,0      
  9   11720,6 18560,7 84667,6 83472,0 3450,7 42971,3 11734,4 6432,8 47933,9 143672,4 27248,3 4941,9 24093,8 22629,1 10728,3 11236,6      
  11   9589,5 15186,0 69273,5 68295,3 2823,3 35158,4 9600,9 5263,2 39218,6 117550,2 22294,1 4043,4 19713,1 18514,7 8777,7 9193,5      
  13   8114,2 12849,7 58616,0 57788,3 2388,9 29749,4 8123,8 4453,5 33185,0 99465,5 18864,2 3421,3 16680,3 15666,3 7427,3 7779,2      
  15   7032,3 11136,4 50800,5 50083,2 2070,4 25782,8 7040,7 3859,7 28760,3 86203,5 16349,0 2965,1 14456,3 13577,5 6437,0 6741,9      
  17   6205,0 9826,2 44824,0 44191,1 1826,8 22749,5 6212,4 3405,6 25376,8 76061,9 14425,6 2616,3 12755,5 11980,1 5679,7 5948,8      
  19   5551,8 8791,9 40105,7 39539,4 1634,5 20354,8 5558,4 3047,1 22705,5 68055,4 12907,1 2340,9 11412,8 10719,1 5081,8 5322,6      
  21   5023,1 7954,6 36286,1 35773,7 1478,9 18416,3 5029,0 2756,9 20543,1 61573,9 11677,9 2118,0 10325,9 9698,2 4597,9 4815,7      
  23   4586,3 7262,9 33130,8 32663,0 1350,3 16814,9 4591,7 2517,2 18756,7 56219,7 10662,4 1933,8 9428,0 8854,9 4198,0 4396,9      
  25   4219,4 6681,8 30480,3 30049,9 1242,2 15469,7 4224,4 2315,8 17256,2 51722,1 9809,4 1779,1 8673,8 8146,5 3862,2 4045,2      
  27   3906,9 6186,9 28222,5 27824,0 1150,2 14323,8 3911,5 2144,3 15978,0 47890,8 9082,8 1647,3 8031,3 7543,0 3576,1 3745,5      
  29   3637,4 5760,2 26276,1 25905,1 1070,9 13335,9 3641,7 1996,4 14876,0 44588,0 8456,4 1533,7 7477,4 7022,8 3329,5 3487,2      
  31   3402,7 5388,6 24580,9 24233,8 1001,8 12475,5 3406,8 1867,6 13916,3 41711,4 7910,8 1434,7 6995,0 6569,7 3114,7 3262,2      
  33   3196,5 5062,0 23091,2 22765,1 941,1 11719,5 3200,3 1754,4 13072,9 39183,4 7431,4 1347,8 6571,0 6171,6 2925,9 3064,5      
  35   3013,9 4772,7 21771,7 21464,2 887,3 11049,8 3017,4 1654,1 12325,9 36944,3 7006,7 1270,8 6195,5 5818,9 2758,7 2889,4      
  37   2850,9 4514,8 20594,8 20304,0 839,4 10452,5 2854,3 1564,7 11659,6 34947,4 6628,0 1202,1 5860,6 5504,4 2609,6 2733,2      
  39   2704,7 4283,2 19538,7 19262,8 796,3 9916,5 2707,9 1484,5 11061,7 33155,2 6288,1 1140,4 5560,1 5222,1 2475,8 2593,1      
  41   2572,8 4074,3 18585,6 18323,1 757,5 9432,7 2575,9 1412,1 10522,1 31537,9 5981,3 1084,8 5288,9 4967,4 2355,0 2466,6      
  Listenmandate   2 3 12 12 0 6 2 1 7 20 4 1 3 3 2 2   80  


Aber bei Parteien, die Direktmandate erzielt haben, kann es geschehen, dass der Listenmandatsanspruch zu gering ist, um innerhalb der Partei das Verhältnis von Zweitstimmen und Mandaten in den jeweiligen Bundesländern herzustellen. Das ist für das Beispiel der CDU bei der Bundestagswahl 2017 in Tabelle 6 dargestellt.

Tabelle 6: Unterverteilung der Mandate der CDU bei der Bundestagswahl 2017
  Bundesland   BB BE BW HB HE HH MV NI NW RP SL SH SN ST TH   Insgesamt
  Zweitstimmen   397839 424321 2061687 83409 1033200 266312 307263 1623481 3214013 848003 189573 583135 665751 377411 372258   12447656  
        Höchstzahlen      
  Divisoren 1   397839,0 424321,0 2061687,0 83409,0 1033200,0 266312,0 307263,0 1623481,0 3214013,0 848003,0 189573,0 583135,0 665751,0 377411,0 372258,0      
  3   132613,0 141440,3 687229,0 27803,0 344400,0 88770,7 102421,0 541160,3 1071337,7 282667,7 63191,0 194378,3 221917,0 125803,7 124086,0      
  5   79567,8 84864,2 412337,4 16681,8 206640,0 53262,4 61452,6 324696,2 642802,6 169600,6 37914,6 116627,0 133150,2 75482,2 74451,6      
  7   56834,1 60617,3 294526,7 11915,6 147600,0 38044,6 43894,7 231925,9 459144,7 121143,3 27081,9 83305,0 95107,3 53915,9 53179,7      
  9   44204,3 47146,8 229076,3 9267,7 114800,0 29590,2 34140,3 180386,8 357112,6 94222,6 21063,7 64792,8 73972,3 41934,6 41362,0      
  11   36167,2 38574,6 187426,1 7582,6 93927,3 24210,2 27933,0 147589,2 292183,0 77091,2 17233,9 53012,3 60522,8 34310,1 33841,6      
  13   30603,0 32640,1 158591,3 6416,1 79476,9 20485,5 23635,6 124883,2 247231,8 65231,0 14582,5 44856,5 51211,6 29031,6 28635,2      
  15   26522,6 28288,1 137445,8 5560,6 68880,0 17754,1 20484,2 108232,1 214267,5 56533,5 12638,2 38875,7 44383,4 25160,7 24817,2      
  17   23402,3 24960,1 121275,7 4906,4 60776,5 15665,4 18074,3 95498,9 189059,6 49882,5 11151,4 34302,1 39161,8 22200,6 21897,5      
  19   20938,9 22332,7 108509,8 4389,9 54378,9 14016,4 16171,7 85446,4 169158,6 44631,7 9977,5 30691,3 35039,5 19863,7 19592,5      
  21   18944,7 20205,8 98175,6 3971,9 49200,0 12681,5 14631,6 77308,6 153048,2 40381,1 9027,3 27768,3 31702,4 17972,0 17726,6      
  23   17297,3 18448,7 89638,6 3626,5 44921,7 11578,8 13359,3 70586,1 139739,7 36869,7 8242,3 25353,7 28945,7 16409,2 16185,1      
  25   15913,6 16972,8 82467,5 3336,4 41328,0 10652,5 12290,5 64939,2 128560,5 33920,1 7582,9 23325,4 26630,0 15096,4 14890,3      
  27   14734,8 15715,6 76358,8 3089,2 38266,7 9863,4 11380,1 60128,9 119037,5 31407,5 7021,2 21597,6 24657,4 13978,2 13787,3      
  29   13718,6 14631,8 71092,7 2876,2 35627,6 9183,2 10595,3 55982,1 110828,0 29241,5 6537,0 20108,1 22956,9 13014,2 12836,5      
  31   12833,5 13687,8 66506,0 2690,6 33329,0 8590,7 9911,7 52370,4 103677,8 27354,9 6115,3 18810,8 21475,8 12174,5 12008,3      
  33   12055,7 12858,2 62475,4 2527,5 31309,1 8070,1 9311,0 49196,4 97394,3 25697,1 5744,6 17670,8 20174,3 11436,7 11280,5      
  35   11366,8 12123,5 58905,3 2383,1 29520,0 7608,9 8778,9 46385,2 91828,9 24228,7 5416,4 16661,0 19021,5 10783,2 10635,9      
  37   10752,4 11468,1 55721,3 2254,3 27924,3 7197,6 8304,4 43877,9 86865,2 22919,0 5123,6 15760,4 17993,3 10200,3 10061,0      
  39   10201,0 10880,0 52863,8 2138,7 26492,3 6828,5 7878,5 41627,7 82410,6 21743,7 4860,8 14952,2 17070,5 9677,2 9545,1      
  41   9703,4 10349,3 50285,0 2034,4 25200,0 6495,4 7494,2 39597,1 78390,6 20683,0 4623,7 14222,8 16237,8 9205,1 9079,5      
  43   9252,1 9867,9 47946,2 1939,7 24027,9 6193,3 7145,7 37755,4 74744,5 19721,0 4408,7 13561,3 15482,6 8777,0 8657,2      
  45   8840,9 9429,4 45815,3 1853,5 22960,0 5918,0 6828,1 36077,4 71422,5 18844,5 4212,7 12958,6 14794,5 8386,9 8272,4      
  47   8464,7 9028,1 43865,7 1774,7 21983,0 5666,2 6537,5 34542,1 68383,3 18042,6 4033,5 12407,1 14164,9 8030,0 7920,4      
  49   8119,2 8659,6 42075,2 1702,2 21085,7 5434,9 6270,7 33132,3 65592,1 17306,2 3868,8 11900,7 13586,8 7702,3 7597,1      
  51   7800,8 8320,0 40425,2 1635,5 20258,8 5221,8 6024,8 31833,0 63019,9 16627,5 3717,1 11434,0 13053,9 7400,2 7299,2      
  53   7506,4 8006,1 38899,8 1573,8 19494,3 5024,8 5797,4 30631,7 60641,8 16000,1 3576,8 11002,5 12561,3 7121,0 7023,7      
  55   7233,4 7714,9 37485,2 1516,5 18785,5 4842,0 5586,6 29517,8 58436,6 15418,2 3446,8 10602,5 12104,6 6862,0 6768,3      
  57   6979,6 7444,2 36169,9 1463,3 18126,3 4672,1 5390,6 28482,1 56386,2 14877,2 3325,8 10230,4 11679,8 6621,2 6530,8      
  59   6743,0 7191,9 34943,8 1413,7 17511,9 4513,8 5207,8 27516,6 54474,8 14372,9 3213,1 9883,6 11283,9 6396,8 6309,5      
  61   6522,0 6956,1 33798,1 1367,4 16937,7 4365,8 5037,1 26614,4 52688,7 13901,7 3107,8 9559,6 10914,0 6187,1 6102,6      
  63   6314,9 6735,3 32725,2 1324,0 16400,0 4227,2 4877,2 25769,5 51016,1 13460,4 3009,1 9256,1 10567,5 5990,7 5908,9      
  65   6120,6 6528,0 31718,3 1283,2 15895,4 4097,1 4727,1 24976,6 49446,4 13046,2 2916,5 8971,3 10242,3 5806,3 5727,0      
  67   5937,9 6333,1 30771,4 1244,9 15420,9 3974,8 4586,0 24231,1 47970,3 12656,8 2829,4 8703,5 9936,6 5633,0 5556,1      
  69   5765,8 6149,6 29879,5 1208,8 14973,9 3859,6 4453,1 23528,7 46579,9 12289,9 2747,4 8451,2 9648,6 5469,7 5395,0      
  71   5603,4 5976,4 29037,8 1174,8 14552,1 3750,9 4327,6 22865,9 45267,8 11943,7 2670,0 8213,2 9376,8 5315,6 5243,1      
  73   5449,8 5812,6 28242,3 1142,6 14153,4 3648,1 4209,1 22239,5 44027,6 11616,5 2596,9 7988,2 9119,9 5170,0 5099,4      
  75   5304,5 5657,6 27489,2 1112,1 13776,0 3550,8 4096,8 21646,4 42853,5 11306,7 2527,6 7775,1 8876,7 5032,1 4963,4      
  77   5166,7 5510,7 26775,2 1083,2 13418,2 3458,6 3990,4 21084,2 41740,4 11013,0 2462,0 7573,2 8646,1 4901,4 4834,5      
  79   5035,9 5371,2 26097,3 1055,8 13078,5 3371,0 3889,4 20550,4 40683,7 10734,2 2399,7 7381,5 8427,2 4777,4 4712,1      
  81   4911,6 5238,5 25452,9 1029,7 12755,6 3287,8 3793,4 20043,0 39679,2 10469,2 2340,4 7199,2 8219,1 4659,4 4595,8      
  83   4793,2 5112,3 24839,6 1004,9 12448,2 3208,6 3702,0 19560,0 38723,0 10216,9 2284,0 7025,7 8021,1 4547,1 4485,0      
  85   4680,5 4992,0 24255,1 981,3 12155,3 3133,1 3614,9 19099,8 37811,9 9976,5 2230,3 6860,4 7832,4 4440,1 4379,5      
  87   4572,9 4877,3 23697,6 958,7 11875,9 3061,1 3531,8 18660,7 36942,7 9747,2 2179,0 6702,7 7652,3 4338,1 4278,8      
  89   4470,1 4767,7 23165,0 937,2 11609,0 2992,3 3452,4 18241,4 36112,5 9528,1 2130,0 6552,1 7480,3 4240,6 4182,7      
  91   4371,9 4662,9 22655,9 916,6 11353,8 2926,5 3376,5 17840,5 35318,8 9318,7 2083,2 6408,1 7315,9 4147,4 4090,7      
  93   4277,8 4562,6 22168,7 896,9 11109,7 2863,6 3303,9 17456,8 34559,3 9118,3 2038,4 6270,3 7158,6 4058,2 4002,8      
  95   4187,8 4466,5 21702,0 878,0 10875,8 2803,3 3234,3 17089,3 33831,7 8926,3 1995,5 6138,3 7007,9 3972,7 3918,5      
  97   4101,4 4374,4 21254,5 859,9 10651,5 2745,5 3167,7 16736,9 33134,2 8742,3 1954,4 6011,7 6863,4 3890,8 3837,7      
  99   4018,6 4286,1 20825,1 842,5 10436,4 2690,0 3103,7 16398,8 32464,8 8565,7 1914,9 5890,3 6724,8 3812,2 3760,2      
  101   3939,0 4201,2 20412,7 825,8 10229,7 2636,8 3042,2 16074,1 31821,9 8396,1 1877,0 5773,6 6591,6 3736,7 3685,7      
  103   3862,5 4119,6 20016,4 809,8 10031,1 2585,6 2983,1 15762,0 31204,0 8233,0 1840,5 5661,5 6463,6 3664,2 3614,2      
  105   3788,9 4041,2 19635,1 794,4 9840,0 2536,3 2926,3 15461,7 30609,6 8076,2 1805,5 5553,7 6340,5 3594,4 3545,3      
  Listenmandate 0 2 0 1 0 3 0 5 4 0 0 0 0 0 0   15  
  Direktmandate 9 4 38 0 17 1 6 16 38 14 3 10 12 9 8   185  
  Insgesamt 9 6 38 1 17 4 6 21 42 14 3 10 12 9 8   200  
  Proporz 6 7 33 1 17 4 5 26 52 14 3 9 11 6 6   200  
  Abweichung 3 -1 5 0 0 0 1 -5 -10 0 0 1 1 3 2      
  Abweichung (%) 50,0 -14,3 15,2 0,0 0,0 0,0 20,0 -19,2 -19,2 0,0 0,0 11,1 9,1 50,0 33,3      


Bei der Bundestagswahl 2017 erzielte die CDU laut Oberverteilung einen Mandatsanspruch von 200. Davon wurden zuerst die insgesamt 185 Direktmandate abgezogen, die Kandidaten der CDU erzielt hatten. Der Listenmandatsanspruch betrug für die CDU also nur 15. Nun wurden die in Tabelle 6 gelisteten Höchstzahlen errechnet. Für die Landesliste jedes Bundeslandes wurden davon so viele Höchstzahlen gestrichen, wie die CDU dort Direktmandate erzielt hatte. Von den übrigen Höchstzahlen wurde den 15 größten je ein Mandat zugeordnet. Hätte die CDU in keinem Bundesland mehr Direktmandate erzielt, als es deren Verhältnis zum CDU-Mandatsanspruch mit Blick auf die Zweitstimmen im Bundesland und bundesweit entsprochen hätte, dann wäre der Proporz innerhalb der CDU durch die Vergabe der Listenmandate hergestellt worden. Diese entsprechenden Mandatszahlen sind in Tabelle 6 in der Zeile "Proporz" für jedes Bundesland angegeben. In etlichen Bundesländern (Brandenburg, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) erzielte die CDU aber mehr Direktmandate als es diesem Proporz entsprach. Da alle Direktmandate ihren Inhabern stets erhalten bleiben, entfielen auf die CDU in diesen Ländern jeweils mehr Mandate als es dem CDU-internen Zweitstimmenverhältnis entsprach. Über die Länder aufsummiert waren das insgesamt 16 Direktmandate. Auch diese Direktmandate wurden aber eben bei der Berechnung des Listenmandatsanspruchs der CDU von ihrem gesamten Mandatsanspruch abgezogen. Deshalb war der Listenmandatsanspruch um 16 zu niedrig, um jeder Landesliste der CDU alle ihr laut Proporz zustehenden Listenmandate zuzuteilen. Durch die fehlenden Mandate fielen bei der CDU also in etlichen Ländern weniger Mandate an, als es dem Proporz entsprochen hätte; und zwar in Berlin (1), Niedersachsen (5) und Nordrhein-Westfalen (10). Um dies zu illustrieren, sind in Tabelle 6 die entsprechenden, für die CDU in diesen drei Bundesländern "verlorenen", Höchstzahlen (und damit auch: "verlorenen" Listenmandate) kursiv hervorgehoben. Die Abweichungen vom Proporz waren bei einigen Ländern beträchtlich. Wie die letzten beiden Zeilen von Tabelle 6 zeigen, entfielen z.B. auf die CDU in Brandenburg 50% mehr Mandate im Vergleich zum Proporz, auf die CDU in Nordrhein-Westfalen wiederum fast 20% weniger. Nur in fünf der fünfzehn Länder, in denen die CDU kandidierte, gab es keine Abweichung, in dreien davon jedoch nur, weil die Anzahl der erzielten Direktmandate zufälligerweise mit dem Proporz übereinstimmte.

Berechnung der Überhang- und Ausgleichsmandate auf dieser Website und in der Amtlichen Statistik

Beim geltenden Bundestagswahlsystem als einem Mischwahlsystem kann es geschehen, dass eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate erzielt als ihr dort laut dem Verhältnis der Zweitstimmen insgesamt Mandate zustehen. Solche Direktmandate werden "Überhangmandate" genannt. Bis zur Wahl 2009 war dies auch der einzige Grund, aus dem eine Partei mehr Mandate erzielen konnte, als ihr laut diesem Verhältnis zustehen. Bis zu dieser Wahl blieben Überhangmandate einer Partei ohne weiteres erhalten, auch wenn dadurch das Verhältnis von Zweitstimmen zu Mandaten verzerrt wurde. Die anderen Parteien erhielten bis 2009 daher auch keine zusätzlichen Mandate, also keine sog. "Ausgleichsmandate". Erst seit der Bundestagswahl 2013 sind die Mandate zwischen den Bundestagsparteien generell im Verhältnis zu den Zweitstimmen verteilt. Dies geschieht, wie oben dargestellt, in der Oberverteilung durch Ermittlung der Ankerpartei, also der laut ihrer Mindestsitzzahl im Verhältnis zu ihrer Zweitstimmenzahl am meisten überrepräsentieren Partei, und anschließender Orientierung des Mandatsanspruchs aller anderen Parteien an der Mindestsitzzahl der Ankerpartei. Die Mindestsitzzahlen sind nun also zunächst einmal der Grund für überproportional viele Mandate einer Partei - also für Überhangmandate - und auch für die Herstellung einer proportionalen Mandatsverteilung zwischen den Bundestagsparteien - also für Ausgleichsmandate. Aber die Mindestsitzzahlen werden nicht nur durch Direktmandate gebildet. Also können Überhangmandate nun auch nicht mehr nur durch Direktmandate zustande kommen (vgl. oben). Um dies für die Oberverteilung abzubilden, wird auf dieser Website daher nicht allein auf die Direktmandate Bezug genommen. Sondern es wird jeweils getrennt für die Oberverteilung und die Unterverteilung wie folgt vorgegangen.

Oberverteilung
Für die Oberverteilung wird zunächst ermittelt, wie viele Mandate auf jede Bundestagspartei entfallen würden, wenn das Sainte Laguë-Verfahren bezogen auf die bundesweiten Zweitstimmen dieser Parteien für die gesetzliche Mandatszahl von 598 Mandaten (ggf. unter Abzug von Direktmandaten für Parteien, die keine Bundestagsparteien sind, was bislang aber noch nie geschah) zur Anwendung käme. Dann wird von den Mindestsitzzahlen jeder Bundestagspartei diese berechnete Mandatszahl abgezogen. Übertrifft die Mindestsitzzahl die berechnete Zahl, ist auf dieser Website von Überhangmandaten der Oberverteilung in Höhe der Differenz die Rede. Ausgleichsmandate der Oberverteilung im Sinne dieser Website werden durch den Abzug der Mindestsitzzahl jeder Partei von ihrem Mandatsanspruch laut Oberverteilung berechnet. Da die Mindestsitzzahl größer sein kann als die berechnete Zahl, und da der Mandatsanspruch wiederum größer sein kann als die Mindestsitzzahl, können bei einzelnen Bundestagsparteien sowohl Überhangmandate als auch Ausgleichsmandate laut Oberverteilung auftreten.

Unterverteilung
Für die Unterverteilung wird zuerst für jede Partei berechnet, wie viele ihrer Mandate in den einzelnen Bundesländern entfielen, wenn die Oberverteilung entlang der gesetzlichen Mandatszahl und die Unterverteilung nur entlang der Zweitstimmen in den Ländern mit dem Sainte Laguë-Verfahren vorgenommen werden würden. Mandate, die auf eine Partei darüber hinaus laut tatsächlicher Unterverteilung entfallen, gelten als Überhangmandate, wenn sie entweder durch Direktmandate zustande kommen oder wenn es sich um die Ankerpartei handelt. Alle Mandate darüber hinaus aller anderen Parteien gelten für die Darstellung hier als Ausgleichsmandate. Wenn die Unterverteilung bei einer Partei nicht den parteiinternen Proporz abbildet (vgl. oben), dann erzielt diese Partei in einzelnen Bundesländern laut tatsächlicher Unterverteilung weniger Mandate, als ihr dort laut Sainte Laguë-Verfahren entlang ihres Mandatsanspruchs zustehen. Diese Unterschiede werden nicht explizit berücksichtigt. Der bislang gravierendste Fall hierzu - die CDU bei der Bundestagswahl 2017 - wird aber in den Erläuterungen zu Tabelle 6 oben ausführlich dargestellt. Zudem kann es dann jedoch geschehen, dass eine Partei in einzelnen Bundesländern weniger Mandate erzielt als ihr selbst laut der gesetzlichen Mandatszahl von 598 im Verhältnis zustehen würden. Das betraf z.B. die CDU bei der Bundestagswahl 2017 in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen. In diesen Fällen haben die Angaben in der Tabelle "Überhang- und Ausgleichsmandate" ein negatives Vorzeichen.

Beim Bundeswahlleiter geht es bei Überhangmandaten ausschließlich um Direktmandate. Bis zur Wahl 2009 stimmen Berechnungsweise und Angaben dort und auf dieser Website daher überein. Für die Wahlen seit 2013 wird beim Bundeswahlleiter dagegen für die Ermittlung der Überhangmandate nur die Mandatsverteilung der Parteien in den Ländern der Ersten Stufe mit und ohne Berücksichtigung der Direktmandate verglichen. Dadurch können nur Direktmandate als Überhangmandate identifiziert werden. Aber nicht alle dort als Überhangmandate identifizierten Direktmandate müssen auch zu einer Erhöhung der Mandatsansprüche aller Parteien führen. Ebenso können die Mandatsansprüche der Bundestagsparteien auch aus anderen Gründen als aufgrund dieser Direktmandate erhöht sein (vgl. oben).

Regelungen zur Mandatszuteilung bei früheren Bundestagswahlen

Bei früheren Bundestagswahlen war die Prozedur der Mandatszuteilung wesentlich einfacher als bei der Wahl 2013. Im Folgenden werden sie und die wichtigsten anderen vom heutigen Wahlrecht abweichenden Regeln kurz vorgestellt, angefangen mit der ersten Bundestagswahl 1949.

Wahl 1949
Jede/r Wählende hat eine Stimme. Sie gilt sowohl für das Direktmandat im Wahlkreis als auch die jeweilige Landesliste. 242 Direktmandate stehen 158 zunächst (d.h. ohne Überhangmandate) zu vergebenden Listenmandaten gegenüber. Insgesamt liegt das Verhältnis Direktmandate : Listenmandate bei rund 60 : 40.

Bis 1987 kommen dazu nicht-stimmberechtigte Mitglieder für Berlin, die vom Berliner Abgeordnetenhaus jeweils kurz nach der entsprechenden Bundestagswahl gewählt werden. Maßgeblich für die Mandatszuteilung der Berliner Abgeordneten nach Parteien ist die Mandatsverteilung im Berliner Abgeordnetenhaus zum Zeitpunkt der Bundestagswahl.

Die Stimmen werden nach Bundesländern getrennt gezählt und die Mandate werden nach Bundesländern getrennt zugeteilt. Dafür werden die Bundestagsmandate vor der Wahl den Bundesländern im Verhältnis der Bevölkerungszahl als Kontingente zugeteilt. Es gibt also nach der Wahl so viele getrennte Zuteilungen von Mandaten an Parteien, wie es Bundesländer gibt. Es gibt aber keine getrennte Ober- und Unterverteilung.

Erzielt eine Partei Überhangmandate durch Direktmandate (also mehr Direktmandate, als ihr laut ihrem Stimmenanteil im Verhältnis zum Kontingent des Bundeslandes zustehen), so bleiben diese ihr erhalten. Entsprechend erhöht sich die Zahl der Bundestagsmandate um die Zahl der Überhangmandate.

Die Verteilung der Mandate wird nach dem Verfahren d'Hondt vorgenommen. Dieses Verfahren gilt bis 1983.

Innerhalb jedes Bundeslands gelten Fünf-Prozent-Hürde und Grundmandatsklausel. Eine Partei, die in einem Bundesland die Fünf-Prozent-Hürde überspringt, nimmt also dort an der Mandatszuteilung teil, aber nicht in einem Bundesland, in dem sie diese Hürde nicht überspringt. Die Grundmandatsklausel gilt ebenfalls für jedes Bundesland einzeln und ist schon erfüllt, wenn eine Partei nur ein Direktmandat in dem Bundesland erzielt.

Wahl 1953
Jede Partei muss die Fünf-Prozent-Hürde bundesweit (und nicht einem einen Bundesland genau für dieses Bundesland) überspringen oder bundesweit mindestens ein Direktmandat erzielen, um an der Mandatszuteilung teilzunehmen.

Das Verhältnis zwischen der Zahl ohne Berücksichtigung von Überhangmandaten zu vergebenden Direkt- und Listenmandate wird auf 50 : 50 festgelegt. Bei diesem Verhältnis bleibt es bis heute. Die Zahl der Listenmandate wird entsprechend gegenüber der Wahl 1949 um 84 auf 242 erhöht. Die gesetzliche Mandatszahl liegt daher bei 484.

Die Mandatszuteilung erfolgt abermals getrennt für einzelne Bundesländer. Es gibt also keine getrennte Ober- und Unterverteilung.

Wahlen 1957 und 1961
Die Grundmandatsklausel liegt bei drei Direktmandaten. Gemeinsam mit der Fünf-Prozent-Hürde als alternativer Voraussetzung zur Teilnahme an der Mandatszuteilung bleibt es dabei bis heute.

Durch den Beitritt des Saarlands erhöht sich die Zahl der Direktmandate um fünf auf 247 und damit die gesetliche Mandatszahl auf 494. Die Oberverteilung erfolgt für das gesamte Bundesgebiet und anschließend mit einer Unterverteilung auf die Landeslisten der Parteien. Bei getrennter Ober- und Unterverteilung bleibt es bis heute.

Erzielt eine Partei mehr Direktmandate, als ihr laut Unterverteilung in einem Bundesland zustehen, so bleiben ihr diese als Überhangmandate erhalten. Diese Regelung bleibt bis 2009 erhalten.

Wahlen 1965 bis 1983
Die Zahl der Direktmandate liegt bei 248. Damit beträgt gesetzliche Mandatszahl 496. So bleibt es bis zur Wahl 1987.

Wahl 1987
Die Mandatszuteilung wird nach dem Verfahren Hare-Niemeyer vorgenommen. So bleibt es bis zur Wahl 2005.

Wahlen 1990 bis 1998
Mit dem Beitritt der Länder der ehem. DDR erhöht sich die Zahl der Direktmandate um 80 auf 328 und entsprechend die gesetzliche Mandatszahl um 160 auf 656.

Nur bei der Wahl 1990 gilt die Fünf-Prozent-Hürde getrennt für die zwei Wahlgebiete Alte Bundesländer und Berlin-West sowie Neue Bundesländer und Berlin-Ost. Die Mandatszuteilung erfolgt jedoch für das gesamte Bundesgebiet zusammen. Erzielt eine Partei in mindestens einem der beiden Wahlgebiete mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen, nimmt sie daher an der Mandatszuteilung mit ihren Zweitstimmen aus beiden Wahlgebieten teil.

Wahlen 2002 und 2005
Die Zahl der Direktmandate wird um 29 auf 299 reduziert und entsprechend auch die gesetzliche Mandatszahl um 58 auf 598. So ist es bis heute.

Wahl 2009
Die Mandatszuteilung wird nach dem Verfahren Sainte Laguë-Schepers vorgenommen. So ist es bis heute.

Quellenverzeichnis
Bundeswahlleiter 2013: Wahl zum 18. Deutschen Bundestag am 22. September 2013. Heft 3: Endgültige Ergebnisse nach Wahlkreisen. Wiesbaden: Selbstverlag.
Bundeswahlleiter 2017: Wahl zum 19. Deutschen Bundestag am 24. September 2017. Heft 3: Endgültige Ergebnisse nach Wahlkreisen. Wiesbaden: Selbstverlag.
Bundeswahlgesetz i.d.F. vom 15.6.1949 (Bundesgesetzblatt I (BGBl.) 1949, S.21), 8.7.1953 (BGBl. 1953, S.470), 7.5.1956 (BGBl. 1956, S.383), 14.2.1965 (BGBl. 1964, S.61), 8.3.1985 (BGBl. 1985, S. S.521), 21.9.1990 (BGBl. 1990, S.2059, 8.10.1990 (BGBl. 1990, S.2141), 27.4.2001 (BGBl. 2001, S.701), 17.3.2008 (BGBl. 2008, S.316), 3.5.2013 (BGBl. 2013, S.1084).

Die Gestaltung der Tabellen und die Angaben zu allen Ergebnissen in Prozent und zur Mandatsverteilung gehen auf eigene Berechnungen nach den Angaben in o.a. Quellen zurück.

Zuletzt aktualisiert: 25.04.2019
Valentin Schröder
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